Fotos: Alexander Gotter

The Third Waltz - Voodoo Jürgens Festspiele

Zum bereits dritten Mal feierte die Agentur Redelsteiner ihr Bestehen mit einem großen Fest am 6. Dezember 2017 im Wiener Gasometer. Neben dem Hauptact Voodoo Jürgens waren Adam Green und Naked Lunch sowie Stefanie Sargnagel live zu sehen. Auf der Suche nach dem überspringenden Funken.

Nach einer launigen Lesung von Stefanie Sargnagel eröffnen die Kärntner Großmeister Naked Lunch den Konzertreigen. Für die Band ist es nach internen Spannungen und dem Abgang von Tastenmann Stefan Deisenberger so etwas wie ein Neubeginn. Leider zeigt sich das »Schasometer« speziell in den ersten Minuten des Sets von seiner schlechtesten Seite. Der Sound ist schrecklich. Erfreulicherweise bekommt Mixer Michael Danner das Problem bald einigermaßen in den Griff und als Naked Lunch früh im Set den Ûber-Song »Military of the Heart« spielen, ist das Klangbild auf erträgliches Niveau gehoben. Es folgen Großtaten wie »In the Dark«, das Frontman Oliver Welter mit einem gefühlvollen Gitarrensolo veredelt. Neuzugang Boris Hauf erweist sich als exzellenter Ersatz für Deisenberger. Mit elektrisierender Intensität lässt die Gruppe weitere Songperlen wie etwa »God« und »The Sun« folgen. Ein denkwürdiger Auftritt, der am Folgetag mit der Veröffentlichung der neuen Single »So Sad« gleichsam komplettiert wurde. Die Vorfreude auf ein kommendes Album ist jedenfalls groß.

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Naive Monotonie …
Es folgt nach kurzer Pause der Auftritt von Adam Green. Dieser darf statt dem ewig saumseligen Peter Doherty (er hat – Ûberraschung – abgesagt) den Hampelmann machen. Mit dem Libertines-Cover »What a Waster« verneigt sich der New Yorker im Laufe des Sets denn auch vor Doherty. Das ist charmant. Ebenso die Tatsache, dass man den 36-Jährigen aufgrund seiner Verspieltheit und der (vorgetäuschten?) Naivität am liebsten die ganze Zeit abbusseln würde. Doch der Blick auf die Musik offenbart ein differenzierteres Bild. Trotz einiger stimmiger Lieder speziell gegen Ende des Sets und seiner tollen Bühnenpräsenz ist Green letztlich ein eher mittelmäßiger Songwriter. Meistens wird er nur von einer Akustikgitarre begleitet, was sich relativ rasch als monoton erweisen sollte. Erst das Finale des Konzerts lässt erahnen, was möglich wäre. Mit der Ansa Panier betritt nämlich Voodoo Jürgens’ Begleitband die Bühne und bietet Green genau jene Klangkulisse, die über weite Teile des Auftritts abgegangen war. Doch nach zwei Songs ist der kollektive Spaß schon wieder vorbei.

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… und zahmes Mittelmaß

Abgang Green, Auftritt Voodoo Jürgens. Im gewohnten Zuhälter-Look betritt der Mittdreißiger die Bühne des Gasometers. Nach seinem kometenhaften Aufstieg in den letzten eineinhalb Jahren ist ihm das neu gewonnene Selbstbewusstsein anzusehen. Mit den teilweise höchst unterhaltsamen und klugen Songs des Debütalbums »Ansa Woar« sollte es eigentlich ein famoser Auftritt werden können, doch leider kann Jürgens nur in Ansätzen überzeugen. Der mittelmäßige Sound trug dazu bei, dass dieses Konzert ohne echte Höhepunkte blieb. Selbst die Feinheiten des herumspukenden Anarcho-Kleinods »Heite grob ma Tote aus« gehen in den Weiten des Gasometers unter. Allerdings muss hier auch erwähnt werden, dass der Song von der Ansa Panier stark in Richtung Austropoppigkeit kalibriert und dadurch unnötigerweise gezähmt wird. Zwar weiß Voodoo Jürgens zu unterhalten und kann sich auf ein starkes Album im Gepäck und eine tolle Band mit sichtbarer Freude am Spielen verlassen. Doch über die gesamte Länge des Konzerts springt nie der erhoffte Funke über. Stattdessen dankt das Publikum es dem Strizzi mit höflichem, aber zurückhaltendem Applaus und viel Getratsche zwischendurch.

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