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Das Mädchen auf dem Mond

Text: Thomas Ballhausen, Lisa Leitenmüller | 27.07.2012
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Michaela Konrad ist eine der wenigen Comic-Artistinnen Üsterreichs. Mit »Mondwandler« entführt sie zum zweiten Mal in das große weite All. 

Olga ist eine Ausnahmeerscheinung, die die Leser des vorliegenden Bandes zu Beteiligten eines außergewöhnlichen Ereignisses macht: Sie sitzt in einem blauen Sommerkleid auf der kargen Mondoberfläche und wirkt, angesichts mangelnden Raumanzugs und technischer Ausstattung, ein wenig fremd und verloren. Sie sieht - und mit ihr die Leserschaft - die Landung eines Raumschiffs, die ersten entdeckenden Schritte der Astronauten. Man begleitet die Crew und Olga auf einer undeutlich bleibenden Mission. Schönheit und Verwirrung herrschen vor, die Freude darüber ist beim Lesen und Blättern ungebremst. Schon 2008 entsandte die Künstlerin Michaela Konrad ihre eigenwillige Protagonistin in ferne Gegenden, in »Spacelove« tat sie ihre ersten Schritte im All.Mittels eines großformatigen Buchs, das mehr Kunstwerk denn Reiseführer ist, ist sie nun wieder unterwegs - und versteht auch erneut zu überzeugen. Die großzügigen Bilder von »Mondwandler«, die eine Kombination aus schwarzweißer Lunar-Landschaft und leuchtenden Farben zeigen, schaffen es, in ihren Bann zu ziehen.

Durch die starken farblichen Kontraste visualisiert Konrad die Dissonanz zwischen einem leblosen Planeten und den vitalen Menschen, sie setzt ganz deutlich auf einfache Kulissen und wenige Objekte: Einzelne Gegenstände der Erinnerung, wie eine Familienfotografie, scheinen zeit- und raumlos in der Leere zu schweben. Die Panels schaffen so genügend Raum für eigene Gedanken über das Leben und das Sein, sie verleiten zu metaphorischen Reflexionen abseits buchstäblicher Schwerkraft. Die Künstlerin und ihre erschaffenen Protagonisten versuchen, beide über die Grenzen hinaus zu denken, sie wollen Spuren hinterlassen. Verstärkt wird dies noch durch eingearbeitete Textfragmente, die einerseits den Bogen zu realen Raumfahrtberichten spannen, andererseits lineare Erzählvorgaben gekonnt unterlaufen helfen. Die österreichische Künstlerin Michaela Konrad zählt zu den wenigen Künstlerinnen, die im Bereich des Mediums Comic über eine lautstarke Stimme verfügen. »Mondwandler« ist ein kunstvolles Buch mit einer außergewöhnlichen Atmosphäre. Das Ergebnis ist eine empfehlenswerte Reise auf den Mond. Und vielleicht auch zu sich selbst.


Michaela Konrad: »Mondwandler«, Wien: Luftschacht Verlag 2011, 64 Seiten, EUR 23,30


Text: Thomas Ballhausen, Lisa Leitenmüller | 27.07.2012

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