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»Karntn is lei ans«

Text: Christian Pöschl | 17.01.2004
Um noch einen Kärntner Slogan zu zitieren: »Dort wo Tirol an Salzburg grenzt....« (erste Zeile der Kärntner Landeshymne) - gibt es keine alternative Kultur? Und wenn ja, wie weit ist eine solche Szene in Kärnten vorhanden, wie weit kann sie ausgeübt werden, wie weit (wie hoch) werden solche »Alternativen« von der öffentlichen Hand unterstützt?

Seit dem Jahre 1999 ist Jörg Haider wieder Landeshauptmann in diesem Bundesland. Neben diesem Amt ist besagter Politiker auch höchster »Kulturmensch« von Kärnten. Jörg Haider, laut Eigendefinition »einfaches Parteimitglied« der Freiheitlichen Partei Österreichs, hat trotz allem noch das Sagen in dieser »politischen Bewegung« (wie sich die »Freiheitlichen« selbst gerne nennen). Trotz der angeblich untergeordneten Stellung im Parteiapparat hat das »einfache Parteimitglied« immer noch die Fäden in der Hand und »das« gewichtige Wort bei Personal- und Politikentscheidungen zu sprechen.
EXKURS FPÖ:
Gegründet im Jahre 1956 aus dem »Verband der Unabhängigen (VdU)«. Dieser »VdU« war ein Sammelbecken ehemaliger Nazis und hatte die meisten Wählerstimmen in diesem Lager. Auch an der Parteigründung der FPÖ hatten ehemalige SS-Männer ihre Hände im Spiel und dies nicht nur in unbedeutender Stellung - wie z.B. Friedrich Peter, der SS-Brigadenführer war und längere Zeit Bundesparteiobmann der »Freiheitlichen«.
Die FPÖ bestand anfangs aus einem nationalen und einem liberalen Lager. Mit der Wahl von Jörg Haider zum Bundesparteiobmann (1986) setzte sich der nationale Flügel durch und ist auch heute noch prägend.
Ausschlaggebend für den folgenden Aufschwung der FPÖ dürfte vor allem die charismatische Person Haiders, auf den die Partei zugeschnitten ist, ja der die Partei auf sich zugeschnitten hat, sein. Aber auch die politische Protesthaltung und oftmalig zitierte Ausgrenzung von Minderheiten, unter dem Vorwand der Beibehaltung einer Volksgemeinschaft, brachte den erforderlichen Zuspruch der Wähler, um nun, mit Unterstützung der Österreichischen Volkspartei, in der Bundesregierung zu sein.
Diese Beteiligung der »Freiheitlichen« war auch ausschlaggebend für die völlig überflüssigen und wie man sieht, einseitigen, EU-Sanktionen.
Zurück zur Kultur im Heimatland von Kärntnern und Slowenen. Besteht diese nun nur aus »Ehemaligen«, »ewig Gestrigen«, die in dunklen Wirtshäusern Naziparolen brüllen und Kampflieder singen? Oder ist ein solches negatives Phänomen überall, und leider immer noch, zu beobachten?
Besteht die Kultur in Kärnten nur aus Fasching, der ja als fünfte Jahreszeit bezeichnet wird und lautstark mit »LeiLei« und sonstigen »Parolen« begrüßt wird? Wer kennt nicht die Aufzeichnungen des Villacher Faschings, wo sich Kärntner, aber auch österreichische Politiker einfinden, um gute Miene zu bösem Spiel zu machen?
Oder gibt es in diesem Land nur Sänger und Chöre? Nicht umsonst gibt es das Sprichwort »Zwei Kärntner, ein Lied. Drei Kärntner, ein Gesangsverein« - und dieses dürfte sich sogar bewahrheiten, denn in Gemeinschaften singendes Volk ist reichlich vertreten.
Oder ist es eine Kultur, in welcher der »Heimatherbst« regiert? Eine »kreative« Idee des Landeshauptmannes, die kärntenweit erstmals im Herbst 2003 präsentiert wurde.
Ein »Heimatherbstkonzept« konnte man nicht erkennen, der Pool an Veranstaltungen, die es im gesamten Bundesland gibt, wurde unter diesem Motto präsentiert und vermutlich vom Land auch finanziell unterstützt. »Kirchtage, Märkte oder Erntedank, Handwerk, Musik, Brauchtum und Kulinarium - alle Elemente der Volkskultur werden heuer in einer besonderen Veranstaltungsreihe, dem Kärntner Heimatherbst hervorgehoben« kann man auf der eingerichteten Homepage lesen.
Vielleicht war es auch nur eine vorgezogene Wahlkampagne des »Landesbarons«, denn im März wird das Volk wieder zu den Urnen gebeten, um die Vertretung in diesem Bundesland zu wählen.
Nicht nur bei diesem Heimatherbst konnte man den Landeshauptmann und sein Gefolge als Besucher beobachten. Vor allem bei »Megaevents« - Kärnten wird von der Politik und auch den lokalen Medien gerne als »Eventland« bezeichnet - wie »GoKartRennen, Beachvolleyturnier, Wörtherseebühne, Villacher Fasching« ist der immer braun gebrannte, jugendlich wirkende und gestylte Haider mit einer Schar aus jungen »Lookalikes« zu sehen.
Vereinzelt gibt es jedoch auch bei uns Kulturinitiativen, die versuchen aus dem Einheitsbrei auszubrechen.
Leider werden diese nur bedingt gefördert, oder es wurde jede Unterstützung gestrichen.
Die Förderungspolitik des Landes geht soweit, dass sogenannten »Tradtitionsverbänden« eine Basisförderung für die Dauer von 3 Jahren zugesprochen werde, egal welche Aktivitäten sie setzten. Unter dieser Tarnkappe der Traditionsverbände verstecken sich solche illustren Gäste wie Kärntner Heimatdienst, Abwehrkämperbund, Kameradschaftsbund, Landsmannschaft und Ulrichsberggemeinschaft. Fraglich ist, inwieweit diese politisch organisierten Verbände im Kunst- und Kulturbereich anzusiedeln sind. Bei einigen beschränkt sich die Tätigkeit auf eine jährliche Feier und die Erhaltung des Weges zum Ulrichsberg.
Bei der Festsetzung dieser Basisförderung zeigten FPÖVP eitle Einigkeit und auch einige Stimmen der SPÖ konnten dafür gewonnen werden.
Gegen diesem Missstand wollte der Verein Unikum auftreten. Um gegen die Basisförderungen zu protestieren, wurden in Anlehnung an den Künstler Cornelius Kolig zwei »Goldhauben« auf die Säulen der »Stätte der Kärntner Einheit« (ein unter Haider errichtetes Denkmal im Kärntner Landhaushof) aufgesetzt. Landesamtsdirektor Robert Weiss titulierte die beiden Gebilde als »Kackehaufen«, sprach vor Ort ein allgemeines Demonstrationsverbot aus und versetzte einer ORF-Kamera ein paar »Watschen«.
Der Verein Innenhofkultur organisierte seit Jahren das »NoBordersMusicFestival«. Leider musste dieses Dreiländermusikfest, dass neben Klagenfurt auch in Tarvisio (I) und Bled (Slo) ausgetragen wurde, aufgrund fehlender Unterstützung des Landes und Hinauszögern von Zusagen, abgesagt werden.
Die Zukunft des einzige freien Radiosenders Kärntens »Radio Agora« steht zur Zeit auch in den Sternen und ein von Jörg Haider versprochenes Bruno Gironcolli-Museum (Skulpturen, Arbeiten auf Papier, Plastiken) kommt ebenfalls nicht mehr zustande.
Im März finden nun Landtagswahlen statt - ob sich dadurch die kulturelle Situation, vor allem im alternativen und »low budget«-Bereich ändern wird, lässt sich nicht absehen. Dies wäre zwar zu hoffen, aber auch in jenen Jahren, in welchen die SPÖVP richtungsangebend waren, konnte man in dieser Richtung keine nennenswerten Höhepunkte erkennen.
Es bleibt vorerst abzuwarten, ob die politische Wende tatsächlich kommt. Den einzigen
Vorteil, den man in der Wiederwahl des derzeitigen Landeshauptmannes sehen könnte, ist jener, dass ein oberösterreichischer Kulturverein in Aussicht gestellt hat, eine symbolische Mauer an der Landesgrenze zu Kärnten errichten zu wollen.
Vielleicht sollte man die Tafeln »Wien ist anders« vor den Toren der Bundeshauptstadt abmontieren und mit der Textänderung »Kärnten ist - ab hier - anders« vor der Einfahrt ins Bodental (Privatdomizil des Landeshauptmannes) aufstellen, sowie den gesamten Bereich dieses Tales mit dem erst kürzlich komponierten »Jörg-Haider-Marsch« beschallen.

>> www.agora.at
>> www.innenhofkultur.at
>> www.unikum.ac.at
>> www.ktn.gv.at

Text: Christian Pöschl | 17.01.2004

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