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»Plug and Pray!«

Text: Konstantin Demblin, Rainer Prohaska, Martin Sägmül | 21.10.2002
Ars Electronica, ohne Elektrizität unvorstellbar?

lautet der Slogan zur Arbeit der Künstlergruppe CNTRCPY??? (sprich: Countercopy, http://www.cntrcpy.com) anlässlich der diesjährigen Ars Electronica. Die Veranstalter der technoiden Kunstschau kupferten heuer ihren Titel einem langjährigen Erfolgskonzept des Musikfernsehsender MTV ab - unbedachte Peinlichkeit oder peinliche Unbedachtheit? - und tauften ihre elektronische Leistungsschau »Unplugged - Art as the Scene of Global Conflicts« . Was ist also naheliegender, als das Thema wörtlich zu nehmen und der Ars Electronica den Strom abzuschalten?

Der offizielle Bescheid an CNTRCPY???, dass ihr eingereichtes Projekt abgelehnt sei, kann als die Geburtsstunde des »Unplugger v1.1« (siehe http://unplugger.cntrcpy.com) gesehen werden: Das Projekt sah vor, sämtliche Räume des Kunstfestivals für einen Abend vom Strom zu trennen - die bekannten Räumlichkeiten der Ars Electronica sozusagen in einem völlig neuen »Licht« zu zeigen - um den Besuchern im Kerzenschein die offensichtliche Absurdität der Elektrophantastereien und den ungebremsten Wahnsinn der nicht hinterfragten Gigahertz-Verehrung darzustellen.

CNTRCPY??? entwickelte ein »Werkzeug zur elektronischen Kriegsführung - zu einem günstigen Preis« . Mit Hilfe dieses »mobilen Steckdosenvirus« , eines mittels Draht kurzgeschlossenen Flachsteckers, der an ein Schlüsselanhängerband mittels Karabiner montiert ist, war es nun nicht nur möglich doch einen wichtigen Beitrag zur Kunstschau zu leisten, sondern dem fadenscheinig anmutenden Thema aufs maximale zu entsprechen! Denn nutzt man den Unplugger seiner Bestimmung entsprechend und steckt ihn in eine Steckdose, wird der Raum und der daran hängende Stromkreis »unplugged« , da die Sicherungskreise durch Kurzschluss lahmgelegt werden.

CNTRCPY??? ließ 10.000 Stück des »Unplugger v1.1« herstellen und verteilte sie an die Besucher der Ars Electronica mit der Aufforderung, selbst zum Künstler zu werden und der »Kunst des unpluggens« uneingeschränkt zu frönen.

Um nicht nur im Verborgenen zu operieren, sondern die Aktion ins rechte »Licht« zu rücken, organisierten sich die Mitglieder von CNTRCPY??? über das Musikjournal skug Presseausweise, meldeten sich als Journalisten bei der Ars Electronica an und nahmen am offiziellen Pressefrühstück der Ars teil, um dem Kurator Gerfried Stocker in einer Guerilla-Aktion den Unplugger zu überreichen - Das Mikrofon wurde ihm höflich aber bestimmt entwendet, der Unplugger für die Anwesenden Sponsoren und Journalisten erklärt und Flyer zum Projekt verteilt.

Auch ein »Unplugger v1.0« , eine elektronische Zeitbombe in Form einer kurzgeschlossenen Zeitschaltuhr (siehe Website), wurde zum Amusement der anwesenden Journalisten, die jene überraschende Abweichung vom üblichen Pressekonferenz-Protokoll sichtlich dankbar annahmen, feierlich übergeben. Die Begeisterung seitens der Veranstalter sei dahingestellt ...

Egal ob der Unplugger nun die Wohnung des Kurators ziert, als Gebrauchsgegenstand/Lifestyle-Objekt einiger Ars Electronica-Besucher Eingang in den Alltag gefunden hat oder zum Schlüsselbundhalter umfunktioniert wurde, er kann jederzeit wieder in Betrieb genommen werden - Der Unplugger wird von CNTRCPY??? als wichtiger Beitrag zum Kunstgeschehen des diesjährigen Herbsts gesehen. Das Medienecho gibt dem nachweislich Recht.

CNTRCPY??? freut sich auf die kommende Ars Electronica und möchte sich bei skug für die Unterstützung des Projekts bedanken!

CNTRCPY???: exploring media spaces and various social systems, modifying content using all available perceptional techniques and emitting it in random ways to _you_ the participating audience.

It's mostly harmless.

Text: Konstantin Demblin, Rainer Prohaska, Martin Sägmül | 21.10.2002

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