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Zur Wachauerin

»Ka Gmahde Wiesn« -

Text: Stefan Koroschetz | 02.02.2017

Aufgrund der beträchtlichen Verzögerung, mit der diese Besprechung verfasst wird, kann »ka gmahde wiesn«, das Mitte 2016 veröffentlicht und Anfang 2017 im Wiener Goethehof präsentiert wurde, fast schon als gut abgehangen bezeichnet werden. Die schlanke Ewigkeit von sechs Jahren ist seit dem letzten Album von Wolfgang Kühn (Texte, Sprechgesang), Michael Bruckner (Gitarre, Komposition) und Fabian Pollack (Gitarre) verstrichen, und man war sich gar nicht mehr sicher, ob die Formation überhaupt noch etwas auf Tonträger zu veröffentlichen plant. Urbaner Geschwindigkeitswahn hat in der Wachau anscheinend noch nicht Einzug gehalten. Und jetzt »ka gmahde wiesn« mit seinem stimmungsvollen, sepiafarbenen Cover mit dem toten Hirschkäfer und prallen elf neuen Stücken.

Stilistisch ist die Band der zeitgenössischen Volksmusik zuzurechnen, was schon mit dem Projektnamen »Zur Wachauerin« angedeutet wird, handelt es sich doch dabei um einen Liedtitel von Prof. Ernst Schandl, dem Haus- und Hofkomponisten der Wachau. Direkt auf traditionelles Liedgut wird auch bei den Stücken »unta an kaasign drascheekeksimond« und »wirtin, liebe wirtin« zurückgegriffen. Ersteres thematisiert eine gescheiterte Wachauer Romanze, unterstreicht die nicht immer wertschätzende Bedeutung des Wörtchens »eh« und weist darauf hin, dass das Paarungsverhalten am Land manchmal doch ziemlich pragmatisch abläuft. Mit Landlergroove geht es in »a woidviertl am meer« weiter, in dem sich Wolfgang Kühn sogar zu Ansätzen von Gesang aufschwingt. Für Zur-Wachauerin-Verhältnisse ist »a woidviertl am meer« ein regelrechtes Mitgrölstück, das textlich die Vorzüge des südlichen Lebensstils den Nachteilen des Lebens im Waldviertel gegenüberstellt. Ein Waldviertel am Meer wäre jedoch das beste überhaupt. Einen Höhepunkt morbides Liedgut betreffend bringt das träge »auf da bluadwiesn«, in dem ein leidender Vater zu düstersten Klängen die Entwicklung und den Tod seines jähzornigen Taugenichts-Sohnes besingt oder besser gesagt »beröchelt«. Ludwig Hirschs »I lieg am Ruckn« erscheint da im Vergleich wie ein heiteres Kinderlied. Es mutet dabei fast befremdlich an, dass das Trio 2016 mit dem deutschen Kleinkunstpreis ScharfrichterBeil (das kleine Beil) ausgezeichnet wurde. Gegönnt sei ihnen diese Anerkennung jedenfalls von Herzen. Nicht zuletzt deshalb, weil davon auszugehen ist, dass mit ihrem Nischenrepertoire nicht gerade das große Knödl zu verdienen ist.

In der Songabfolge wechseln sich getragene und »grantig groovende« (Albert Hosp) Stücke angenehm ab, Wolfgang Kühn schlüpft überzeugend in verschiedene Rollen und scheut sich auch nicht, die großen Fragen zu stellen (»warum?«, »im nächstn Lem«, »wia fost viecha so ticken«). Lakonischen Schmäh gibt’s bei »wirtin, liebe wirtin« und »waldviertler stanzen« (»she’s very amused / weil ma duat so gern schmust«), »drenta da donau« ist ein weiterer Gesangsversuch von Kühn und schielt nach dem Geschwindigkeitsrekord. Das Titelstück am Ende vertont einen Suizid und reißt dementsprechend unvermittelt ab. Hüttengaudi ist woanders zuhause. Neben dem stilsicheren Mundartdichter Kühn sind die Gitarristen Bruckner und Pollack hervorragend, gerade weil sie ihre Gitarren eben nicht in steriler Perfektion spielen. Wenn das die zeitgenössische Volksmusik ist, bin ich ein bekennender Volksmusikfan.

Text: Stefan Koroschetz | 02.02.2017

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