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Neil Young

»Peace Trail« - Reprise//Warner

Text: Alfred Pranzl | 17.12.2016

»Peace Trail«, der Auftakt-Song zum gleichnamigen neuen Album von Neil Young, hat noch all die Essenzen, die den Young-Sound ausmachen. Königin darin: Die ausladende Feedback-Gitarre, konterkariert von bemerkenswerten Zeilen wie »I have to take good care when something new is growinʼ«. Neil Young macht sich Notizen zum Weltgeschehen mit Fokus auf den USA und setzt diese in unfertig klingende Songs um. Kongeniale Partner diesmal: Jim Keltner mit polternd rumpelndem Schlagzeugspiel und der versierte Bassist Paul Bushnell.

»I wish somebody would share the news« heißt es im Refrain zu »Indian Givers«, das den vorerst erfolgreichen Protesten der indigenen Bevölkerung North Dakotas gegen die Errichtung einer Pipeline gewidmet ist. Dieser Song ist gar nicht Young-typisch, hat es aber mit akustischer Klampfe, vorwärtsdrängenden Drums und Walking Bass sowie am Ende schneidig-wüster Harp in sich: »Standinʼ against the evil way, thatʼs what we have at the end of day«, doch »behind big money justice always fails«. Neil Young ist kein Prophet, sondern genauer Beobachter mit bestürzenden Befunden. Beschwingt holpern und stolpern Keltner-Bushnell-Young durch den fröhlichen Uptempo-Song »Show Me«, der Gemeinsames gegen Kapitalinteressen betont. Eine noch bluesigere Harp und eine abgehackt klingende Rhythmus-Sektion verstören in »Texas Rangers«. Glasklar rechnet der gebürtige Kanadier darin mit Fake News ab, die rechte Demagogen streuen, um die Demokratie auszuhebeln: »Watch what you donʼt see on the TV, when they hide the truth«. Neil Young ist im Gegensatz zu US-Medien, die mit ihrem ständigen Anrennen gegen Donald Trumps unverfroren menschenrechtsfeindliche Aussagen dem künftigen US-Präsidenten kostenlose PR bescherten, klüger. In seinen Zeilen kommt klar durch, dass die Amerikaner Reality-TV mit der wahren Realität verwechseln. Trump wird nicht namentlich genannt, sondern die Wirkungsmacht neoliberaler Politik eindringlich beschrieben. Etwa in der Ballade »John Oaks« – der gegen Unrecht kämpfende Umweltschützer wehrt sich mit Gewalt, was seine Erschießung durch die Polizei heraufbeschwört.

Im Übrigen finde ich die Autotune-Background-Vocals, die auf »My Pledge« Neil Youngs Gesang hinterherhinken, bezaubernd. Insgesamt ist nach wie vor viel Young-Sound drin, selbst wenn im abschließenden »My New Robot« die Vorherrschaft der Internetriesen Thema ist: »I got my new robot from Amazon.com«, begleitet von roboteresken Autotune-Stimmen, die zu guter Letzt mit »Powering off« unvermittelt abreißen. Ein Hörgewohnheiten brechender, frisch bleibender Neil Young ist mir allemal lieber als einer, der dauernd auf seine besten Alben reduziert wird. Er bleibt mit seinem 37. Studioalbum auf der Höhe der Zeit. Es muss ja nicht immer ein Meisterwerk sein.

Text: Alfred Pranzl | 17.12.2016

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