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Worried Man & Worried Boy

»Ruhig bleiben« - Problembär Records//Seayou Records

Text: Stefan Koroschetz | 05.12.2016

Auf dem schlicht »Worried Man & Worried Boy« betitelten Debüt von Vater und Sohn Janata waren es 2015 noch ausschließlich Songs aus dem Repertoire der Worried Man Skiffle Group, der Vater Herbert Janata beeindruckende 54 Jahre lang seine Stimme geliehen hat. Sohn Sebastian, der sonst als Schlagzeuger von Ja, Panik! bekannt ist, entstaubte mit seinem Vater die teils zu Evergreens gewordenen Stücke der Skiffle Group (»Glaubst I bin bled«, »I bin a Weh«, »Der Mensch is a Sau« …) und packte diese in spartanische, luftige Arrangements, was dem Familienduo einen Achtungserfolg einbrachte. Mit »Ruhig bleiben« gehen die beiden mit extra geschriebenen Songs den konsequenten Schritt weiter. Sechs von zehn Stücken kommen von Janata Senior, der Rest aus der Feder des Nachwuchses. Wobei sich schon an den besungenen Themen erahnen lässt, welche Stücke vom Junior und welche vom Senior stammen. Geht es der Sohn mit »Frühling«, das sich mit dem furchtlosen Blick nach vorn befasst, noch gemächlicher an, folgt mit »Handkuss« ein Uptempo-Song, der sich mit dem rastlosen Ausgehen und dem gleichzeitigen Grausen davor sowie der Frage nach der Verantwortung für diesen Raubbau an Geist und Körper beschäftigt. »Wer ist schuld an meinem Masochismus / wirklich ich selbst oder doch der scheiß Kapitalismus?« fragt der Junior und singt dabei ein wenig wie zu New-Wave-Zeiten mit leicht sich überschlagender Stimme. Während sich der Senior seinem Alter entsprechend eher »erwachseneren« Themen mit lakonischem Schmäh widmet (Gartenfest, Abstumpfung, Wiener Schnitzel, Lavendel und Motten …), kommen die inhaltlich relevanteren Stücke eindeutig vom Junior. Etwa das den Frust durch fremdbestimmte Arbeit deftig auf den Punkt bringende »Von Gschissn auf Oasch«, welches mit eingängiger Melodie und großem inhaltlichen Identifikationspotenzial auch live ein Burner sein sollte.
Nicht fehlen darf bei dieser sympathischen Reanimation des Austropop der Tod bzw. in diesem Fall zwei konkrete Tote: Der Onkel Hans und der Siggi vom Freibad, die sich durch verstärkte Zufuhr von Alkohol selbst vor der Zeit »kalt gemacht« haben dürften. Die Formulierung von der »Coolness der Toten« muss einem erst einmal einfallen. Im kurzen Dialog mit den Verstorbenen wünscht sich Sebastian, sie mögen ihm doch einen Platz freihalten im ewigen Reich der schmerzfreien Bewusstlosigkeit (genau genommen in einem gemalten Stillleben). »Die Coolness von den Toten« ist in seiner scheinbaren Naivität ein bewegendes Stück, das in seiner Melodieführung jedoch keine Traurigkeit aufkommen lässt. Nicht zuletzt haben Tote etwas an sich, das sie – dem Albumtitel entsprechend – beispiellos gut können, nämlich ruhig bleiben. Support kommt stimmlich von Julian Schneeberger, Bass und Klarinette steuert Paul Schreier alias PauT bei. Sicher wird auf »Ruhig bleiben« das musikalische Rad nicht neu erfunden, in jedem Fall ist das Album aber ein kurzweiliges Vergnügen mit durchaus anregenden Texten.

Text: Stefan Koroschetz | 05.12.2016

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