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Quilt im Chelsea: Ein Klangteppich der Hoffnung

Text: Nina Prader | 15.11.2016
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Foto: Nina Prader

Wenn du zurzeit an Amerika zweifelst, dann höre Quilt! Die New Yorker Gruppe mit Bostoner Wurzeln glühte am 7. November im Chelsea für die österreichische Weltschmerz-Pop-Band Grant vor und verlieh – einen Tag vor der US-Präsidentschaftswahl – der Stimme einer hoffnungsvollen Generation Ausdruck.


Die ersten Akkorde klingen wie Samt. Quilt spielen ihr »Best of« – vom ersten, selbstbetitelten Album, das 2011 vom Brooklyner Label Mexican Summer produziert wurde, über »Held in Splendor« bis zum aktuellen Longplayer »Plaza«, der im Februar 2016 erschien und die Band offiziell aus dem Untergrund an die Öffentlichkeit katapultierte. Warme Töne, seidige Klänge, tiefe Melodien legen sich übereinander, werden spektral und erinnern an die Beatles in ihrer psychedelischen Phase. Als Set fügen sich die Tracks aneinander, wie der Name prophezeit: ein Flickenteppich, in Handarbeit geschmeidig zusammengestickt.

Als Band wirken Quilt wie eine nette Clique aus dem High-School-Jahrbuch: Frontfrau, Sängerin und Gitarristin Anna Fox Rochinski nimmt zwar mit ihrer kraftvollen Hauchstimme klare (und zugleich softe) Bühnenpräsenz ein, aber auch die anderen Mitglieder, Schlagzeuger Jesse Gallagher (im U-Bahn-Bogen etwas versteckt), Bassist Keven Lareau und Gitarrist und Sänger Shane Butler, sind mit ihr im Einklang und auf Augenhöhe. Die Scheinwerfer beleuchten die ganze Bühne, nehmen keinem das Rampenlicht, es ist ein Miteinander und jede Note vibriert in einem weichen Mosaikmuster. Das überträgt sich auch auf das sich sanft wiegende Publikum – die träumerischen Wiegenlieder versetzen in einen erhellten Zustand.

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Foto: Nina Prader

Quilts Musik ist amerikanischer Avantgarde-Free-Folk mit dem ehrlichen lyrischen Genie eines Leonard Cohen oder Neil Young, sie erinnert an die Farbpalette von Herbstlaub in New England und den wahren amerikanischen »Free Spirit«, der den Elan von Roadtrips kennt und sich nostalgisch nach den Zeiten von Woodstock zurücksehnt. Alte Seelen, die unsere gegenwärtigen und vergangenen Generationen einerseits lamentieren, wie etwa in »Young Gold«, andererseits aber in ihren Mantra-haften Beats und Gitarrenriffs herzhaft und mit offenen Armen den Irrweg als Abenteuer annehmen, wie beispielsweise in »Roller«.

In »St. Eliot«, das seit Kurzem auch ein buntes Musikvideo hat, singt Shane Butler: »Send me the notes, I’ve been walking silently through the ghosts of what we've known, they only showed us the sad signs of our start, without the growth.« Mit Quilt wird gefeiert, Teil einer müden Generation zu sein, die Krieg, Wirtschaftskrise, Studiengebühren und Donald Trump als Präsident erlebt, aber die sich mit Hoffnung, Gemeinschaftssinn und heilsamer Stimme gegen die bevorstehenden schweren Zeiten wappnet: »It takes some time, tinsel and ivy, dear, my love«.

Quilt »Eliot St.« auf youtube

Quilt »Roller« auf youtube

Quilt »Young Gold« auf youtube



Text: Nina Prader | 15.11.2016

Referenzen:

  • Artist: Quilt

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