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Liebenswerte Ganoven

Trugbilder statt politischer Argumente

Text: Frank Jödicke | 07.11.2016
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Trump-Collage © Redaktion

Ob Donald Trump die Wahl gewinnt oder verliert, ist in einem bestimmten Sinn unerheblich, denn das Prinzip des Realitätsverlustes der »Post-Truth-Politics«, das sich mit ihm in neuer Deutlichkeit zeigte, wird bleiben und die Menschheit weiter plagen.



Über die Politik Donald Trumps ist genug gesagt. Seine Präsidentschaft würde entsetzlich werden. Steuerkürzungen für die Superreichen, Beenden aller Umweltpolitik, Diskriminierung, Sexismus, Rassismus und vor allem keinerlei Verbindlichkeit mehr. Was Trump um kurz vor Neun zusagt, hat er um kurz nach Neun bereits widerrufen. Längst arbeitet sein Wahlkampfteam mit der Vorgabe dieses Trumpschen Aufmerksamkeitsfensters. Wenn es zwischen verschiedenen Optionen zu wählen gilt, nimmt Trump grundsätzlich die letztgenannte Option, einfach weil er die vorherigen vergessen hat. Die hierbei schwer zu knackende Nuss: Weshalb schadet diese Inkohärenz, leichte Manipulierbarkeit und eklatante Widersprüchlichkeit dem Erfolg Donald Trumps nicht? Nicht einmal in einem strategischen Sinn? Eine mögliche Antwort liegt in der Vermutung »The Donald« habe das Feld des Politischen nie betreten, sondern blieb, was er immer war: eine Schöpfung des US-amerikanischen Fernsehens.

Der Knattermime Donald Trump spielt eine einzige Rolle, die des »Donald Trump«, und die ist die Summe ihrer Knalleffekte. Fürchten muss er nur die Stille und die langweilige Kontinuität. Schweigt er oder wiederholt er in gleicher Weise, was er bereits sagte, dann droht er zu verschwinden. Diese Gefahr ist umso größer, da er (ein typischer Widerspruch der Geschöpfe der Kulturindustrie) selbstverständlich immer nur das Gleiche sagen kann, weil er ja das einmal geschaffene Bild von sich bewahren muss. In der Not, das Immergleiche stets anders präsentieren zu müssen, liegt die obsessive Fixierung auf den Effekt begründet, die den medialen Geschöpfen nur mehr erlaubt, Pointen zu reißen, weil ihnen die Aufmerksamkeitsspanne fehlt, um einen ganzen Witz zu erzählen.

Vom Schminken des Schweines

Donald Trumps Karriere folgte immer und nahezu ausschließlich der Logik medialer Verbreitung. Trump war kaum eine Sekunde seines Lebens ein erfolgreicher Geschäftsmann. Pleiten, Konkurse, unzählige verlorene Prozesse und teils beschämende Vergleiche pflasterten seinen Weg. Unlängst rechnete ihm die Senatorin Elizabeth Warren genüsslich vor, dass er vermutlich heute reicher wäre, wenn er das enorme Erbe seines Vaters in bestimmten Fonds angelegt und nur deren Vermehrung zugeschaut hätte. Diese reale Erfolgslosigkeit hielt ihn aber nicht davon ab, den erfolgreichen Unternehmer zu spielen. Worin er wiederum höchst erfolgreich sein konnte, dank einer besonderen Medienlogik, die das Abbild weit über das Vorbild erhebt. Grundlage eines solchen Erfolges ist eine nahezu ununterbrochene Medienpräsenz, die das permanente Projizieren des Abbildes auf das Vorbild erlaubt, beziehungsweise bereitwillig die Rolle und deren innere Mechanik über die tatsächlichen Handlungen des Menschen stellt.

Anfänglich musste Trump diese ununterbrochene Medienpräsenz, die ihm heute hinterhergeworfen wird, noch selbst erzeugen. 1987 erschien das Buch »The Art of the Deal«. Ein Text, bei dem mit dem Titel schon alles gesagt sein soll. Wie nicht anders zu erwarten ist der Inhalt frei von Kunst. Geschrieben wurde es von dem Reporter Tony Schwartz, der diese Arbeit heute gerne öffentlich bereut. Schwartz schlug später den Alternativtitel »The Sociopath« vor und beschrieb seine Arbeit als den Versuch, ein Schwein zu schminken. Es darf als sicher gelten, dass Trump kein Wort des Buches selbst geschrieben hat, beispielsweise sind die Namen »guter Freunde« in diesem Buch falsch buchstabiert. Die Quizfrage lautet eher, hat Trump es je gelesen? Klar ist, keiner der Inhalte des Buches, insofern es Businesstipps sind, wurde je von ihm beachtet. Das einzige, was sich aus diesem Buch lernen lässt, ist, dass ein Inhalt im klassischen Sinn unwichtig ist. Entscheidend für Trump war (und dies hat ihm enorm genutzt), dass er durch das Erscheinen des Buches seinen Namen als angeblicher Wirtschaftsexperte in jedes Haus tragen konnte. Dieses Vorgehen Trumps ist im Übrigen wenig originell, auch J. F. Kennedy gab sich als Autor von Büchern aus, deren Inhalt er nachweislich nicht kannte.

Die ohne Frage etwas windschiefe Art, mit der Trump sich selbst und sein nur vorgebliches ökonomisches Können promotete, blieb der Öffentlichkeit nicht verborgen. Aber dieser scheinbare Makel wurde mittels eines hermeneutischen Zirkelschlusses zu einem Vorteil: Trump war nicht trotz seiner Unfähigkeit erfolgreich, sondern wegen ihr. Blendertum konnte funktionieren, wenn alle bereit waren, es zu akzeptieren, um selbst wiederum vom Blenden zu profitieren. Ein einmalig bescheuerter Contract Social, der sich aber bemerkenswerterweise durchzusetzen begann. Darüber hinaus schien es, als sei Trumps herbeigeredeter Erfolg, bei gleichzeitiger Leugnung all seiner Misserfolge, der Beweis dafür, dass sich Erfolg herbeireden ließ. Warum also Trump nicht zum Vorbild erheben und versuchen, es ihm gleichzutun? Deswegen wohl konnte das Buch von den Eighties bis in die frühen Noughties so gut verkauft werden und seinen Platz auf den Nachtkasterln der Erbeutungseliten finden. Allerdings stets ungelesen. Wer es aufschlug, um darin zu lesen, stellte schließlich unter Beweis, die zentrale Botschaft des Buches nicht verstanden zu haben.

»The Apprentice«

Das Fernsehen wurde zu Trumps willfährigem Helfer und war über Jahre vielleicht seine einzige Einkommensquelle, nachdem er sämtliche Casinos und Immobilienprojekte hatte abstoßen müssen. Trump wurde schließlich Gastgeber der Show »The Apprentice«. Diese Show ist ein Elendskabinettstückchen der »scripted reality«, bei dem die Kandidatinnen und Kandidaten vortäuschten, sie würden sich um einen Job im Trump-Imperium bemühen und müssten deshalb ihre Fähigkeiten vom Meister persönlich begutachten lassen. Niemand bekam auch nur einen annährend relevanten Posten im Trump-Konzern, sondern die Überlebenden wurden wie Zirkustiere über die Dörfer geschleift, um dort von der ihnen erteilten Lehre Zeugnis abzulegen. Trump selbst nahm seinen Lehrauftrag als eine Übung in sadistischer Herabwürdigung seiner Mitmenschen wahr, worin die Serie ihren voyeuristischen Effekt hatte. Das ganze Trauerspiel wäre schlichtweg ekelerregend gewesen, wenn es nicht gewisse Spuren menschlicher Regungen enthalten hätte. Trump zeigte, wie auch in seinen Wahlkampfauftritten, zuweilen Formen burschikosen Humors und ließ auch – wenn es ihm nützte – gewisse Züge von Anteilnahme aufblitzen. Diese Regungen wurden ihm allgemein als sympathische Züge ausgelegt. Nur, was wenig beachtet wurde, sie stammten nicht von ihm selbst. Sie waren lediglich Teil der Rolle, die Trump zu spielen gelernt hatte. Diese Rolle sah einerseits einen bestimmten Humor vor und eine versteckte Herzlichkeit. Zwei Eigenschaften, die Trump nachweislich nicht besitzt.

Gleich der Commedia dell’arte verfügt die Fernsehunterhaltung nur über einen begrenzten Kreis von Charakteren. Es können meist nur die Figuren vom Publikum gelesen werden, die fest an ihre einmal etablierten Charaktereigenschaften gebunden bleiben. Wohlgemerkt stets durch den zeitweiligen Bruch mit diesen. Eine Figur, die einzig ihre Rolle ausführt, muss ermüdend erscheinen. Der Witz des Spiels liegt darin, dass die Figur ihre Rolle im Laufe der Handlung aufgeben muss, um später zu ihr zurückzufinden und sie dann zu bestätigen. Diese Wandlungen werden goutiert und haben sich mit der Zeit kodifiziert. Was der jungen Schönen, dem gemütlichen und immer lustigen Dicken, dem gutherzigen Tollpatsch oder dem sinisteren Hageren passiert (alle Rollen sind an bestimmte Körperbilder gebunden), führt letztlich immer zur Bestätigung der anfänglichen Einschreibung. So wurde aus dem Witzeerzählen ein Pointenreißen.

Donald Trump nun spielt die Rolle des erfolgreichen Unternehmers, der gierig nur auf seinen Vorteil bedacht, schamlos alles und alle ausnutzt. In dieser Rolle kann Trump den notwendigen Spannungsbogen nur dann entwickeln, wenn er zeitweilig »menschliche Episoden« durchläuft, innerhalb der er seiner eigenen Schwäche gewahr wird, Anteilnahme zeigt und erfährt, sich selbst und seine Ziele als unsinnig erkennt und verlacht, um dann am Ende wieder kraftvoll zuzubeißen. Ohne Frage ist die Rolle des erfolgreichen Unternehmerpatriarchen eine zentrale für das US-amerikanische Publikum, denn an ihm will es sich mit dem Kapitalismus versöhnen und mutwillig dessen angebliches menschliches Angesicht erkennen. Weil diese Rolle so zentral ist, konnte Donald Trump für seine Rollengestaltung von unzähligen Vorbildern in der Unterhaltungsindustrie lernen. Dass er dies tat, ist verbürgt, denn sowohl enge Vertraute als auch übelwollende Feinde sagen in einem Punkt das gleiche über ihn: er sehe ununterbrochen fern.

Jack Donaghy

Ein vorzügliches Vorbild für Donald Trump wäre der von Alec Baldwin gespielte Jack Donaghy aus der Fernsehserie »30 Rock«. Selbstreferenziell bis zum Anschlag befehligt der Spitzenmanager Donaghy innerhalb dieser NBC-Serie die Unterhaltungssparte bei NBC, wo er unter anderem für eine wöchentliche Comedy-Live-Show zuständig ist, die an die realexistierende NBC-Serie »Saturday Night Live« angelehnt ist. Das Personal dieser fiktiven Show sind die Figuren der Serie »30 Rock«. Auffällig ist, dass keine von ihnen ein eigenständiges moralisches Urteil zu besitzen scheint. Genaugenommen bezieht »30 Rock« einen Gutteil seines Humors daraus, dass alle auftretenden Personen wie Kinder agieren. Mit Ausnahme des Patriarchen Donaghy allerdings, der zwar in seinem Privatleben als ebenso verzweifelt und neurotisch dargestellt wird, dies aber mittels Schläue und Heimtücke überwindet, sobald es ums Business geht. Somit übt er eine Art Vaterrolle aus, indem er den Profit der Firma NBC im Auge behält und rücksichtslos über das Leben der Angestellten verfügt. Keine Sekunde stellt die ansonsten respektlose Fernsehserie dieses Verhältnis in Frage. Es scheint das natürliche Verhältnis zwischen Angestellten und Management zu sein. Wer es zu etwas bringen will, muss dies akzeptieren. Auf eben diesem unhinterfragten Rollenverständnis gedeiht die monströse Erscheinung Donald Trumps. Unzählige Dinge sind dem Trump-Clan in dem letzten Jahr zum Vorwurf gemacht worden. Wie es aber sein kann, dass Trumps Vater mittels der Verwaltung von Sozialwohnungen märchenhaft reich wurde und sein unfähiger Sohn später mit dem Bau von steuerbefreiten Immobilien in Manhattan vor der Pleite gerettet wurde, wird niemals thematisiert. Donaghy und Trump werden bei aller Spöttelei für ihren Reichtum bewundert und ihre scheinbar naturgegebene Vormachtstellung auch von den liberalen Produzentinnen und Produzenten bei NBC akzeptiert.

Schmerzhafte Klassengrenzen werden zwar angesprochen, wenn Jack Donaghy beispielsweise einer seiner Angestellten sagt: »Ach, ich hatte vergessen, sie gehören zum Mittelstand, sie werden ihr ganzes Leben Kredite abzahlen und nie etwas besitzen«, dann aber scheinbar versöhnt durch die Betonung gemeinsamer menschlicher Erlebnisse. Letztlich will die Serie zeigen, dass das Leben des Firmenpatriarchen ebenso voller Höhen und Tiefen ist, wie das jedes Menschen. Der Sexismus Donaghys beispielsweise, der von Alec Baldwin sehr überzeugend verkörpert wird, fügt sich in eine schwer durchdringliche Melange mit dem Erzählstrang der Suche Donaghys nach Liebe und familiärem Glück. Die Frauen in der Serie scheinen zu billigen, dass ein reicher und mächtiger Mann dreißig Jahre jüngere Frauen als Aufputz braucht, schließlich wird auch er letztlich lernen müssen, wie die Liebe immer schon vor ihm lag, in der Gestalt jener – angeblich weniger ansehnlichen – Angestellten, mit der er sich immer so lustig streitet. Diese nonchalanten Vermenschlichungen und Verharmlosungen von Machtverhältnissen sind das Pfund, von dem Trump wuchert. Das Fernsehen macht Ganoven liebenswürdig. Wenn Trump die Figur des erfolgreichen, mächtigen Unternehmers spielt und in seiner Show »The Apprentice« gnadenlos die Gescheiterten mit den Worten »You are fired!« nach Hause schickt, dann beugt sich die Öffentlichkeit seinem Urteil. »So sind sie halt, unsere Führer – lustig.« Diese Art Machtmensch und Pater Familias scheint so sehr mit dem gesellschaftlichen Erfolg verwachsen zu sein, dass Trump beim Spielen dieser Rolle keinerlei Widerworte mehr zu fürchten hat.

Wie ist diese allgemeine Unterwürfigkeit zu erklären? Bei der Analyse von schwer traumatisierten Patienten entdeckte der Psychologe Arno Gruen einen überraschenden seelischen Effekt, der viel über die conditio humana sagt: Wir müssen lieben. Menschen entwickeln ein Gefühl der Geborgenheit, der Nähe und Sympathie auch denen gegenüber, die sie quälen. Fernsehdramaturgie bedient sich dessen. Bei all dem Abstoßenden und Empörenden des Fernsehmanagers Jack Donaghy und seines »realen« Pendants Trump: das Publikum lernt sie mit der Zeit kennen und entwickelt ein Gefühl der Verbundenheit zu ihnen. Ihre teils grausamen und abstoßenden Taten können nicht mehr rundweg abgelehnt werden, sondern werden mit einem liebenswürdigen Bild vom Menschen vermischt. Eine beachtliche Projektionsleistung, die beim Humor besonders deutlich wird. Von Persönlichkeiten in der Öffentlichkeit wird allgemein erwartet, ein gewisses Quäntchen Selbstironie zu zeigen, folglich wird diese auch der Figur Donald Trump unterstellt, obgleich sie Trump faktisch fehlt.

»Saturday Night Live«

Wer Donald Trump genau beobachtet, stellt fest, dass dieser niemals lacht. Er stößt zwar zuweilen eine Art Glucksen aus, bleibt dabei aber vollkommen freudlos und zeigt keine Spur der Entspannung. Nachweislich ist er zu keinerlei Selbstironie fähig. Er lässt »Witze« über seine Person nur zu, wenn diese seine Schlauheit, seinen geschäftlichen Erfolg oder seinen Reichtum würdigen. Der Wettbewerb der Fernsehanstalten in den USA um Trumpsche Wortspenden erlaubt es ihm, sich diese Witzehoheit vertraglich zusichern zu lassen. Wenn er selbst eigene Scherze produziert, dann sind dies ausnahmslos verletzende Angriffe. An diesem nicht geringen Charakterfehler hätte die Figur des erfolgreichen Unternehmers Donald Trump zugrunde gehen müssen, indem früher oder später die Fratze eines Scheusals sichtbar geworden wäre. Aber das Fernsehen selbst eilte Trump zu Hilfe. Zu wichtig war dem Betrieb die Aufrechterhaltung des einmal eingeführten und klischierten Bildes.

In der von NBC produzierten wöchentlichen Comedy-Show »Saturday Night Live« – eben jenem Vorbild der fiktiven Show »30 Rock« – trat die Figur Donald Trumps bereits mehrmals auf. Manchmal wurde sie von ihm selbst gespielt, dann wieder von Alec Baldwin, dessen Statur Trumps ähnelt. Die Unterschiede zwischen Karikatur und Original sind längst marginal. Die Figur, die Trump spielt, scheint vollendet, es gibt wenig an ihr zu verbessern. Vielleicht gelten deswegen die Trump-Persiflagen als weitgehend misslungen. Es war den Machern der Sendung offensichtlich unmöglich, Trump zu demaskieren oder vorzuführen, eher übernahm er die Show, füllte sie mit seinen üblichen Blödheiten und missbrauchte sie als Eigenwerbung. Und dies gilt wohlgemerkt auch für Baldwins Trump. Auftritte dieser Art, wie auch jene in den zahlreichen »Late-Night-Shows«, dürften Trumps Präsidentschaftskampagne beträchtlich genützt haben. In dem spöttelnd-ironisierenden Umfeld der Unterhaltungsshows bekam die Figur Trump jenen Witz und jene scheinbare Selbstironie verpasst, zu der der Mensch Trump unfähig ist. Es entstand das Falschbild des gewöhnlichen, durchaus menschlichen Unternehmers mit dem üblichen Maß an Selbstironie. Wenn nun Hollywood-Größen wie Joss Whedon, Mark Ruffalo oder Michael Moore versuchen, Trump als eine faschistoide Gefahr zu brandmarken, dann wirkt dies ohnmächtig gegenüber dem medialen Bild, das ihre Kollegen von Trump längst geschaffen haben. Das Publikum meint in der Rolle den Menschen Trump zu erkennen und hält ihn für eine weitgehend harmlose Witzfigur.

Bürger, lasst das Glotzen sein!

Folglich ist das Sittenbild, das sich um Trumps Präsidentschaftskampagne zeigt und das sowohl Unterstützer als auch Gegner umfasst, ein wenig schmeichelhaftes. Vizepräsident Joe Biden und Robert De Niro haben in ihrer Verzweiflung Donald Trump bereits Prügel angedroht. Ihr teils leidenschaftliches Schimpfen über Trump nützt diesem mehr als es ihm schadet, weil ihre unsachlichen Entgegnungen wie eine angenommene Einladung wirken, in den Sumpf der Trumpschen Dumpfheit zu steigen und wiederum nur die Figur des erfolgreichen Unternehmers zu bestätigen, der sich selbstverständlich der unsachlichen Angriffe seiner Neider und Feinde zu erwehren hat. Eine fatale Annährung, denn wie bereits Lichtenberg herausstellte: Bei starkem Regen werden Menschen schmutzig, aber Schweine sauber. Es macht den Eindruck, als wüssten sich die Show- und Politgrößen De Niro, Biden und mit ihnen unzählige andere keine Lösung mehr. Wenn sie möglichst große mediale Verbreitung erreichen wollen, dann müssen sie anscheinend genauso beschämend agieren wie Trump. Sie folgen den Regeln eines Spiels, das sie gegen den Großmeister nicht werden gewinnen können. Wer immer Trump (sollte er scheitern) folgen wird, wäre dumm, wenn er oder sie diesem Teil des »Art oft he Deal« nicht treu bliebe.

Aufgrund dieser Entwicklungen auf den Verfall des US-amerikanischen Imperiums zu hoffen, wie dies insbesondere in rechten Kreisen getan wird, sollte als die Illusion erkannt werden, die sie ist. Eher steht zu befürchten, der nächste Schritt in den Abgrund einer nicht mehr durch politische Argumentationen erreichbaren Öffentlichkeit wird schleunigst von den anderen westlichen Staaten nachvollzogen. In österreichischen Präsidentschaftswahlkampf zumindest scharrt bereits die nächste Knallschote im Startblock: »So-wahr-mir-Gott-helfe.«

Vielen Dank, Fernsehen, du hast das Monster aus der Kiste gelassen. Die Gespenster sind dem Flimmerkasten entstiegen und machen sich daran, diesen Planeten zu vernichten. Ihnen wird es wurscht sein, denn Realität verachten sie. Für diejenigen aber ist es bedauerlich, die noch ein Gefühl in sich tragen von einer Wirklichkeit, die sie nie gesehen oder gehört haben müssen, wie jener eines tauchenden Narwales, der seinen gedrehten Stoßzahn aus dem Wasser ragen lässt, um sogleich wieder in den Tiefen des abtauenden Eismeeres zu versinken. Das Verschwinden des Meereseinhorns, das in einer See ohne Packeis wohl nicht wird überleben können, zu dem Zeitpunkt als von diesem ehemaligen Fabelwesen unzählige Bild-, Film- und Tondokumente erstellt worden sind, ist eine jener Pointen, bei der der zugehörige traurige Witz kaum mehr zu erzählen ist. Für Donald Trump ist dies unerheblich, er hält den Klimawandel für eine Illusion. Aus seiner Sicht macht dies Sinn, schließlich muss er ahnen, wie alles um ihn herum eine Erfindung ist, bei der Vorbild und Abbild ineinander fallen.

Auf youtube:

Hillary Clinton/Donald Trump Cold Open - SNL:

Hillary Clinton (Kate McKinnon) und Donald Trump (Alec Baldwin) bei Erin Burnett (Cecily Strong) OutFront

youtube.com

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Alec Baldwin als Donald Trump

© NBC


Text: Frank Jödicke | 07.11.2016

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