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Gegenmacht mit politischen Slogans

Text: Frank Jödicke, Alfred Pranzl | 28.10.2016
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© Geordie Wood saulwilliams.com
Notizen zu Saul Williams ultimativem Live-Gig am 25. 10. 2016 im Wiener brut und »Burundi« aus seinem aktuellen Album »MartyrLoserKing«.

Heftig grummelnde, schwere, Dubstep entlehnte, Basssounds, generiert von Saul Williams‘ Maschinisten, der links auf der Bühne den idealen Soundtrack für dessen Attacken gegen die Ungerechtigkeiten auf dieser unserer Welt rausschleudert. Williams sloganisiert poetisch. Spoken words, politisch Fleisch geworden. Nachzuhören u. a. auf dem neuen Longplayer »MartyrLoserKing« und live eine Urgewalt, die im vollen Saal des brut Wien bestens zur Geltung kommt.

Es ist beeindruckend, wie Williams zusätzlich zu seinem zornigen message rap Gegenmacht, u. a. die Allmacht des Internet thematisierend, aufbaut. Auf dem gigantischen Screen über der Bühne sind Bilder zu sehen, welche die drohende, durch die Menschheit selbst verursachte Apokalypse nicht nur an die Wand malen, sondern eindringlich ins Bewusstsein bohren. Die schweren, mehr als legitimen Geschütze, die dabei aufgefahren werden, sind in großer Schrift zu lesen:

»Hack the System … hack into business law proprietorship … mthrfck apathy … hack into comfort compliance … hack into doctrine capitalism … mthrfck religious thought … mthrfck disease … beliefs are the police of the mind … pharmacopornographic era … hack into violence, fear, ignorance. hack into god … hack into the rebellious gene …«

Dies sollte als Aufruf interpretiert werden, sich nicht mehr gefallen zu lassen, dass die Politik scheinbare Systemzwänge als alternativlos darstellt. Es ist tragisch, dass Künstler wie Saul Williams seitens der westzentrierten Welt evozierte Eskalationen aufzeigen und klarerweise Wege aus der Misere wissen, jedoch nicht die Macht haben, etwas zu ändern. Eigentlich müssten die gewählten Politiker selbst erkennen, dass sie die Demokratie und die Welt an die Wand fahren, weil sie lobbyierenden Konzernen zu wenig Regeln und Steuern entgegensetzen und allzuoft sozialen Problemen mit Gewalt begegnen.

Warum ist dieser Mann so wütend? Übertreibt da jemand und ist der Zorn nur eine Masche? Die Kinder in Teilen Pakistans mögen angeblich den Regen längst lieber als den Sonnenschein, weil bei klarem Wetter die Drohnen fliegen. In dem Video zu »Burundi« feat. Emily Kokal von Warpaint zeigt Williams welcher Terror längst im »Krieg gegen den Terror« eingesetzt wird. Die Kamera zoomt in Williams Laptop. Der Blick schwebt über dem Gitternetz von Straßenzügen und Häusern. Einige Aufnahmen zeigen vielleicht einen US-amerikanischen Vorort, andere eine Favela. Jeder kennt diese Übersicht aus Google-Earth und ähnlichen Programmen. Dann ein Auto, es fährt in ein Fadenkreuz, die Rakete schlägt ein. Explosion. »Okay, we get it.« Es kann jeden treffen und schon bald. Saul Williams ist kein »Mr. Robot«, der alles Trauma zu persönlicher Paranoia gerinnen lässt. Williams ist ein politisierter und politisierender Künstler. Wie halten wir das bloß aus? Schnitt. Brennende und attackierte Polizeifahrzeuge. Bilder von Blockupy-Protesten? Oder aus Ferguson? Williams schreit: »I’m a candle.«



Text: Frank Jödicke, Alfred Pranzl | 28.10.2016

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