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Weltmeister der Improlangstrecke

Text: Curt Cuisine | 15.10.2016
The Necks auf Welttour, mit einem Zwischenstopp in Salzburg.

1986 wurden The Necks gegründet. Das klingt harmlos auf den ersten Blick, sind aber doch schon 30 Jahre. Wow, wie die Zeit vergeht. The Necks, das sind Chris Abrahams am Klavier, Lloyd Swanton am Bass und Tony Buck an den Drums, eine klassische Jazztriobesetzung, wenn man so will, aber in der Praxis doch ein gutes Stück davon entfernt. Man könnte es sich aus historischer Sicht so zusammenreimen: Vom Bill Evans Trio wandern wir gemächlich zum Keith Jarrett Trio, besonders zu dessen minimalistischeren, introvertierten Momenten, doch von dort weg gehen wir noch wesentlich weiter, wofür wir einen langen Atem und viel innere Ausgeglichenheit benötigen. So kommen wir zum Ambient-Impro von The Necks, nachzuhören in Reinkultur last but not least auf den letzten beiden Alben, »Open« (2013) und »Vertigo« (2015). Beide Alben bestehen nur aus einem einzigen Track, jeweils über eine Stunde lang, eine introvertierte Impromeditation, die keinerlei Kompromisse mit hörhäppchentauglichen Formaten schließt, die trotzdem stets ihre Ups and Downs hat, die – das ist der Ambientfaktor an der Sache – wie eine musikalische Landschaft zu durchwandern ist. Nein, wir sind hier nicht im Formatradio, Dirk, lehn dich zurück und genießʼ die Sache.

30 Jahre schon im Business, da wundert es nicht, dass »Vertigo« schon das 18. Album der in Sidney gegründeten Band ist. Nicht zu reden von den unzähligen Kollaborationen und Gastspielen der drei Musiker, die im Übrigen oft genug schon in höchsten Tönen gelobt wurden – von »eine der außergewöhnlichsten Bands« über »nichts weniger als zauberhaft« oder »Musik von großartigster Unaufgeregtheit« bis hin zu einem simplen »einzigartig« erklingen die Superlative. Kurz gesagt, The Necks gelten als die absoluten Meister der »long-form improvisation«. Wohl darum werden die 30 Jahre nun sogar mit einer Welttournee gefeiert, die Locations wie das Whitney Museum in New York City, das Café Oto in London, das Copenhagen Jazzhouse, das Funkhaus in Berlin oder das Bimhuis in Amsterdam umfasst. In Österreich ist leider – für die Wiener – nur ein Auftritt im Salzburger Jazzit (10. November 2016) geplant, aber umgekehrt: Was für ein Glück für die Salzburger! Die können sich zurücklehnen und live von dieser Einzigartigkeit überzeugen.


Text: Curt Cuisine | 15.10.2016

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