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Alan Bishop // Sam Shalabi

»Mother Of All Sinners (Puppet On A String)« - Unrock

Text: Holger Adam | 11.09.2016

Sam Shalabi ist ein kanadischer Musiker.‭ ‬Er hat auf der ersten A Silver Mt.‭ ‬Zion ein wenig Gitarre gespielt,‭ ‬mit seinem Ensemble Land Of Kush auf Constellation Records Platten veröffentlicht und ist auch ansonsten in der kanadischen Post-Punk-,‭ ‬Improv-‭ ‬und Jazz-Szene kein Unbekannter‭ (‬und hat u.‭ ‬a.‭ ‬auch mit der in jüngerer Vergangenheit vielfach gefeierten Matana Roberts vor zwei Jahren ein Album veröffentlicht‭)‬.‭ ‬Warum schreibe ich das‭? ‬Weil Shalabi,‭ ‬Sohn ägyptischer Eltern,‭ ‬seit seinem frühen Projekt Shalabi Effect auch daran interessiert ist,‭ ‬Einflüsse arabischer Musik in seiner eigenen zum Ausdruck zu bringen.‭ ‬So spielt er nicht nur Gitarre,‭ ‬sondern auch Oud.‭ ‬Ein Instrument,‭ ‬das in den oben erwähnten Kontexten eher nicht oder nur selten vorkommt.‭ ‬Bei Shalabi Effect klingt die Melange aus arabischen und westlichen Musikinstrumenten und‭ ‬-elementen nach einer angenehm bekifften psychedelischen Session,‭ ‬auf‭ »‬Mother Of All Sinners‭ (‬Puppet On A String‭)« ‬kommt die Oud als Soloinstrument zum Einsatz,‭ ‬aber von‭ »‬klassischer‭« ‬oder gar‭ »‬purer‭« ‬arabischer Musik kann nicht die Rede sein.‭ ‬Das wäre aus zwei Gründen albern.‭ ‬Zum einen habe ich keinen blassen Schimmer von arabischer Musik,‭ ‬nicht von ihrer Tradition,‭ ‬nicht von ihrer inneren Struktur und auch nicht von den äußeren Umständen,‭ ‬die sie in der Vergangenheit geprägt haben bzw.‭ ‬bis in die Gegenwart hinein prägen.‭ ‬Und‭ – ‬wichtiger‭ – ‬hat zum anderen auch Shalabi kein Interesse am Kochen und Auslöffeln einer irgendwie essentialistischen Folksuppe.‭ ‬Er weiß,‭ ‬Musik lebt,‭ ‬wie Sprache,‭ ‬von ihrer Öffnung und Aktualisierung,‭ ‬sonst stirbt sie ab.‭ ‬Ein Beispiel für diesen offenen und nicht verknöcherten Umgang mit musikalischen Traditionen liefert Shalabi mit‭ »‬Tamara‭«‬.‭ ‬Die A-Seite des vorliegenden Albums,‭ ‬eine‭ ‬18:23‭ ‬Minuten lange Solo-Komposition für Oud,‭ ‬klingt‭ – ‬im Gegensatz zur Musik von zeitgenössischen Interpreten wie beispielsweise Naseer Shamma‭ – ‬sperriger,‭ ‬karger und mithin schroffer und trägt insofern Spuren der Punk-Sozialisation sowie der Improv-‭ ‬und Free-Jazz-Vorlieben Shalabis.‭ ‬Deutlicher noch kommt dieser musikalische Brückenschlag bei den Dwarfs Of East Agouza,‭ ‬einem Projekt u.‭ ‬a.‭ ‬mit Alan Bishop‭ (‬Invisible Hands,‭ ‬Sun City Girls‭) ‬zum Ausdruck,‭ ‬deren hervorragendes Debüt‭ (»‬Bes‭«) ‬ebenfalls kürzlich erschien.‭ – ‬Und jener Alan Bishop bestreitet mit Shalabi die B-Seite des Albums.‭ »‬Faith Of Our Fathers‭«‬ titelt der mit Gitarre,‭ ‬Saxophon und Oud freudvoll ins Werk gesetzte Haufen wohl kalkulierten Lärms.‭ ‬Auch hier wird deutlich:‭ ‬Tradition ist Material,‭ ‬das re-organisert und aktualisiert gehört,‭ ‬um es nicht der Verwesung preiszugeben.‭ ‬Nenn‭’ ‬es Mutant-Folk,‭ ‬Improv oder einfach Musik,‭ ‬Hauptsache‭ ‬du hörst zu‭!

  



Text: Holger Adam | 11.09.2016

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