article_8310_sbi_115x135.jpg
article_8451_final_front_web_180.jpg

Calhau!

»Ú‭« - Kraak

Text: Holger Adam | 10.08.2016

Das portugiesische Duo Calhau‭! ‬legt mit‭ »‬Ú‭«‬ sein drittes Album vor.‭ ‬Ich kenne die beiden Vorgängeralben nicht.‭ ‬Ich habe auch nicht versucht,‭ ‬während des Hörens der Platte und des Schreibens der Rezension,‭ ‬diese Wissenslücke zu schließen.‭ ‬Ich war und bin hinreichend damit beschäftigt herauszufinden,‭ ‬was ich von‭ »‬Ú‭«‬ halten soll,‭ ‬und das ist ja erst einmal ein sehr gutes Zeichen:‭ ‬Erstaunen,‭ ‬Ratlosigkeit und Stirnrunzeln befallen einen ja mit den Jahren immer weniger,‭ ‬wenn man Musik hört.‭ ‬Was also machen Calhau‭!‬,‭ ‬dass ich nicht so recht weiß,‭ ‬welche Worte ich wählen soll,‭ ‬um der Musik hier einigermaßen gerecht zu werden‭? ‬Zunächst dachte ich:‭ ‬Mumpitz mit Magick,‭ ‬ganz nett‭ ‬– aber nichts,‭ ‬was nicht Coil oder Psychic‭ ‬TV schon besser oder‭ (‬wenigstens‭) ‬früher gemacht hätten.‭ ‬Aber der Hinweis auf historische Vorbilder‭ (‬sofern sie denn der Band überhaupt als solche gedient haben‭) ‬ist ja ebenso armselig wie die Musik angeblich sein soll.‭ ‬Das wäre,‭ ‬das ist zu einfach.‭ ‬Und dann war es mit der Zeit auch so,‭ ‬dass die Platte mit jedem‭ ‬Hördurchgang seltsamer und origineller wurde.‭ ‬Sicherlich,‭ ‬ich muss hier und da an die ruhigeren Momente von Throbbing Gristle und die dunklen Meisterwerke‭ »‬Marble Index‭«‬ und‭ »‬Desertshore‭«‬ von Nico oder‭ ‬den mystisch-verspielten DIY-Murks von Vox Populi denken,‭ ‬und in jeder nicht alphabetisch sortierten Plattensammlung können Calhau‭! ‬genau dort ihren Platz finden‭ ‬– und gleich daneben stehen vielleicht noch Dead Can Dance und eine Zusammenstellung Gregorianischer Choräle.‭ ‬Irgendwie so.‭ ‬Jenseitsmusik.‭ ‬Der Gesang‭ (‬vorgetragen in mehreren Sprachen und nicht definierbaren Lauten‭) ‬gleicht liturgischem‭ ‬Gemurmel,‭ ‬Summen und manchmal auch Gurgeln und die elektronischen Sounds kreisen selbstvergessen um die Stimme herum,‭ ‬der Welt abgewandt.‭ ‬Es gibt wenig zu verstehen,‭ ‬um so mehr anzunehmen.‭ ‬Im doppelten Sinn:‭ ‬Die Musik von Calhau‭! ‬lädt einerseits dazu ein,‭ ‬sich allerlei Reim darauf zu machen wie man sich anderseits ihr gegenüber auch bloß öffnen bzw.‭ ‬hingeben kann.‭ ‬Das‭ ‬ist,‭ ‬neben vielen anderen,‭ ‬auch eine Frage der Neigung oder Stimmung.‭ ‬Der‭ (‬dezidierte) ‬Irrationalismus der ausgestellten Klangwelt kann einem auch schwer auf die Nerven gehen,‭ ‬nehme ich an.‭ ‬Andererseits entfaltet‭ »‬Ú‭«‬ mit der Zeit eine seltsame Anziehungskraft und entfacht eine Neugier,‭ ‬vergleichbar mit der Wirkung von Filmen wie Alejandro Jodorowskys‭ »‬Holy Mountain‭«‬ oder‭ »‬Begotten‭«‬ von E.‭ ‬Elias Merhige‭ ‬– man will wissen wie es weitergeht und nicht aufhören hinzugucken bzw.‭ ‬hinzuhören,‭ ‬weil‭ ‬...‭ ‬tja,‭ ‬jedenfalls empfehle ich den Selbstversuch mit‭ »‬Ú‭«‬,‭ ‬wenn man mit den genannten Bezugsgrößen was anfangen kann.

Text: Holger Adam | 10.08.2016

skug partner

TQW_Skug_Banner_Enroute.gif

 jeu_abos2016_17_skug180x180_RGB_2_web.jpg


skug empfiehlt


Fri 10.03.2017 : [~2.4.] valeska gert – gesicht - körper - bewegung | filmarchiv austria kino kultur haus | wien

Tue 14.03.2017 20:00: [~29.4.] frotzler-fragmente | schauspielhaus | vienna

Thu 23.03.2017 17:00: [~25.3.] fuckhead: vertex | wuk | vienna

Fri 24.03.2017 : [~17.4.] osterfestival imago dei – hört die signale | diverse @ krems |

Fri 24.03.2017 19:30: swing à la django band | sargfabrik | vienna


» alle termine
 

skug friends



logo_emap.gif

fresh_Logo_black_red180.jpg

bytefm_logo.gif

logo_norient_NEU_2011.jpg

orange94.png

ute_bock_logo.gif

» skug @ facebook