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»Revolution!« Notizen zu Konstantin Weckers Ö-Tour

Text: Frank Jödicke | 07.08.2016
Angekündigte Revolutionen bleiben aus, mosert das betäubte bürgerliche Bewusstsein. Dies hat zwei Gründe, für die Konstantin Wecker keine Verantwortung trägt: Erstens, es wurden belanglose Ereignisse als Revolutionen ausgegeben und damit eine gewisse Revolutionsmüdigkeit erzeugt, und zweitens, die eigentlichen Revolutionen werden nicht erkannt. Wecker, der ehrliche Arbeiter im Weinberge des Herrn, hat dementgegen einen belastbaren Revolutionsbegriff, der – grob formuliert – die Loslösung des Individuums aus dem falschen Ganzen fordert. »Du musst dir alles geben (...), unendlich lass dich leben, oder bleib ewig tot.« Damit verbunden ist eine anspruchsvolle Bereitschaft zur dauernden Änderung des Selbst, das sich immer wieder als ins Falsche verstrickt erkennen muss.

Keine Frage, diese Art von revolutionärem Geist bleibt notwendig, denn wir werden um unser Leben betrogen. Darin liegt die individuelle Bedeutung von Kapitalismus, Plutokratie, Oligarchie oder wie auch immer das Regime genannt werden mag. Der Schmerz an der Ungerechtigkeit muss auch für jene sinnlich werden, die nicht gerade im Gefängnis sitzen oder hungern müssen. Deswegen Kunst. Seit 1977 betreibt Konstantin Wecker politischen Chanson, Kabarett und Dichtung auf konstant hohem Niveau. Zwischen Stanze und Gstanzl gelangen ihm teilweise echte Epigramme. Wollen Sie wissen was die BRep.Dtschl. ist? »Kommen Sie in das Puff, das Freiheit heißt, die Kloake der Illusionen! Wer brav ins Töpfchen der Wahrheit scheißt, hat freies Essen und Wohnen.«  Es ist anzunehmen, dass Konstantin Wecker den Abgrund von Tendenzliteratur und Revolutionskitsch sehr genau kennt, sonst würde er nicht so geschickt an diesem entlangwandern.

»Widerstehen und verwundbar sein«
Im persönlichen Gespräch äußert sich Konstantin Wecker in diesen Tagen unzweideutig: »Wir müssen zusammenhalten gegen den Faschismus. So schlimm wie heute war es seit dem Krieg nicht.« Vermutlich hat er damit Recht. In Weckers Geburtsstadt München tötet der bekennende Neonazi David S. am 22. Juli, dem Tage des Massakers von Anders Breivik, neun Menschen und sich selbst. Als gebürtiger Iraner ist er einer der wenigen Neonazis, der sich mit gewissem (wenn auch historisch fragwürdigem) Recht »Arier« nennen dürfte. Der Kampf gegen den Irrsinn solcher Wirrköpfe darf als Konstantin Weckers Lebensaufgabe bezeichnet werden.

Musik gibt es noch obendrauf. Wer Weckers souveränen Auftritt beim »Voices for Refugees«-Konzert im Oktober 2015 in Wien gesehen hat, weiß, dass dieser Mann nicht irgendwelche Popnummern zu politischen Statements umdefinieren muss. Seine Kunst hatte das heutige Elend immer schon im Blick, zeigte es schonungslos auf und verwandelte es in griffige Songs. Neben dem Ausdruck seines berechtigten Zornes versteht er es, sowohl menschlichen Schmerz und Trauer als auch Liebe und Zärtlichkeit in einer allgemein gültigen Intensität zu fassen, die zuweilen zu Tränen rührt. Kurzum: Ein Konzertbesuch lohnt sich.
 
Konstantin Wecker – »Revolution!«-Tournee
Fr. 12.08.2016 Open Air, Arena, Wien – Einlass: 18:30 Uhr, Beginn: 20:00 Uhr
So. 14.08.2016 Open Air, Burgruine Finkenstein, Latschach – Beginn: 20:00 Uhr
Di. 16.08.2016 Cselley Mühle, Oslip – Beginn: 20:00 Uhr
Mi. 17.08.2016 Kasematten, Graz – Einlass: 19:00 Uhr, Beginn: 20:00 Uhr

Text: Frank Jödicke | 07.08.2016

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