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Comunidad Internacional #13 – Shades of Africa

Text: Hans Grausgruber | 17.07.2016
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Foto: »Studio One« © Soul Jazz Records
Soul Jazz Records veröffentlicht drei Compilations, die den Aufbruchsgeist der britischen Kolonien Jamaica und Nigeria zur Zeit der beginnenden Unabhängigkeit um 1960 wiederspiegeln. Zudem ein verschollenes Meisterwerk.

Auf der 3-CD-Compilation »Coxsone’s Music  The First Recordings of Sir Coxsone The Downbeat 1960–62« the_first_recordings_of_sir_coxsone_the_downbeat_1960_63_coxsone_s_music.jpgveröffentlicht Soul Jazz eine Mischung von Stilen, die gemeinhin unter Ska subsumiert werden, tatsächlich aber jeweils unter Jump-Up, R&B, Boogie Rock, Jazz oder eben Ska zu kategorisieren wären – die aber alle eine spezielle Note, Identität, einen Jamaican Style haben, der sie klar als Musik aus Jamaica ausweist. Rob Chapman nennt das in den Liner Notes auch »Proto-Ska«. Die (kommende) Unabhängigkeit als Generator einer eigenen musikalischen Identität also? Das sicher nicht. Schon zuvor gab es auf Jamaica originäre Musikformen. Aber die Aufbruchsstimmung ist sicherlich zu spüren – und der Output erhöhte sich jedenfalls drastisch. Die Songs und Kompositionen der schon Ende letzten Jahres erschienenen Compilation wurden alle vor Gründung des berühmten Studio One von Coxsone in den Federal Studios aufgenommen und auf einem seiner frühen Labels veröffentlicht. Der Großteil wurde dann später, ab 1963, nochmals auf Studio One herausgebracht. Deshalb kennt der Fan dieser Musik sie schon von diversen Tonträgern. Dieser hier beschränkt sich ausschließlich auf das Wirken von Sir Clement »Coxsone« Dodd (um einmal seinen vollen Namen zu nennen) und versetzt die Compilation zudem mit bislang selten wiederveröffentlichten Gustostückerln wie den drei Songs vom Album »From the Workshop« (1962) von Jazz Jamaica, eine frühe Jazz-Version der Skatalites.

sjr_lp332_coxsone_s_music2_slve.jpgZu diesen 46 Tracks veröffentlicht Soul Jazz jetzt 41 weitere, die kürzlich unter dem Titel »Coxsone’s Music 2: The Sound of Young Jamaica. More Early Cuts from the Vaults of Studio One 1959– 63« als Doppel-CD erschienen sind. Hier finden sich vier weitere Kompositionen von besagtem Jazz-Jamaica-Album, der Rest ist Boogie Rock aus den späten Fünfzigern, Jump-Up und Jive bzw. »R&B Shouter Style«, wie das im Booklet genannt wird, sowie früher klassischer Ska von Weltklasse-Posaunist Don Drummond und den Saxophonisten Roland Alphonso und Tommy McCook, die nebst einigen anderen wie Gitarrist Ernest Rangling zur Urformation der 1963 gegründeten Skatalites gehörten. Erfreulich auch die vier frühen Maytals-Songs, die ich auf keiner meiner recht umfassenden Compilations von »Blue Beat« (unter diesem Namen und Label wurde Ska in England vermarktet) habe. Zusammen decken diese beiden CD-Boxes Coxsones frühes Schaffen ziemlich vollständig ab, sie sind wie immer kompetent kommentiert und reichlich bebildert. Es ist immer wieder eine Freude, diese Musik aus den optimistischen Aufbruchsjahren zu hören.

count_ossie_heights_front1.jpgEine jamaicanische Musikform, die auch viel mit Selbstbestimmung zu tun hat, ist Rastafari Roots Music, die auf diversen Trommelrhythmen wie Nyabingi basiert. In letzter Zeit wurden einige Alben wiederveröffentlicht bzw. wiederentdeckt. Soul Jazz Records macht uns nach »Tales of Mozambique« mit »Man from Higher Height« ein weiteres Album von Count Ossie & The Rasta Family zugänglich, ein in seiner Genese etwas mysteriöses Album, da es um Entstehung und Aufnahmezeitpunkt einige Rätsel gibt. Tatsache ist, dass es sich hier um ein musikalisches Kraftwerk von einem Jazz-inspirierten Rootsalbum handelt, das den Hörer immer fest im Griff hält, kurze, aber umso packendere 26 Minuten lang, eine große Abschiedsvorstellung des kurz danach tödlich verunglückten Count Ossie. Es wird eines der eher weniger bekannten Genres der jamaicanischen Musik von einigen seiner musikalischen Hohepriester par excellence zelebriert - spirituell und erhebend und populär zugleich. (Wiederveröffentlicht im Original-Cover)

»Nigeria Freedom Sounds! Popular Music And the Birth of Independent Nigeria 1960– 63, Calypso, Highlife, Apala, Mambo, Juju«sjr_lp341_nigeria_60_slve.jpgder ellenlange Titel führt schon die wesentlichsten Stile, die dieses fantastische Album ausmachen, an. Es sind wohl noch ein paar Stile mehr, die hier mitspielen, Palmwine etwa, von der Vielzahl regionaler Rhythmen ganz zu schweigen – geschenkt. Tatsache ist, dass jeder Song, egal, ob er nahe an authentischer ländlicher Musik ist oder ob er im Großen und Ganzen einem der weltbekannten Stile wie Calypso oder Mambo zuzuordnen ist, eine Lebens- und Spielfreude zeigt, wie sie heute kaum mehr vorstellbar ist. Auffällig ist auch, dass insgesamt Calypso aus Trinidad and Tobago dominiert, was definitiv mit England bzw. London als kolonialer Drehscheibe zu tun hat, während in den meisten anderen afrikanischen Ländern eindeutig »Cuban Latin« den Ton angab. In diesem Zusammenhang fällt auf, wie wenig die frühen Sechziger in der nigerianischen Musik bislang dokumentiert wurden (im Gegensatz zum Kongo etwa); man darf sich hoffentlich auf viele weitere einschlägige Compilations freuen.



Various Artists: »Coxsone’s Music The First Recordings of Sir Coxsone The Downbeat 1960–62« (Soul Jazz Records/Trost)

»Coxsone’s Music 2: The Sound of Young Jamaica. More Early Cuts from the Vaults of Studio One 1959– 63« (Soul Jazz Records/Trost)

Count Ossie & The Rasta Family: »Man from Higher Height« (Soul Jazz Records/Trost)

Various Artists: »Nigeria Freedom Sounds! Popular Music And the Birth of Independent Nigeria 1960– 63, Calypso, Highlife, Apala, Mambo, Juju« (Soul Jazz Records/Trost)

Text: Hans Grausgruber | 17.07.2016

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