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Poems for Anarchy

Multiartist Patrik Huber

Text: Stefanie Frauwallner, Michael-Franz Woels | 11.06.2016
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Fotos: Patrik Huber (Hotel Obscura @ Hotel Magdas)
© Magdalena Blaszczuk 2015
Hinter dem gelernten Grafiker und Reproduktionstechniker mit dem gutbürgerlich anmutenden Namen Patrik Huber – Patrik ohne C, »das hat meine Mutter zum Frühstück gegessen« – verbirgt sich ein Künstler, der neben dem eben genannten O-Ton im Gespräch im Café Westend auch Sätze wie diesen ausstößt: »Das wichtigste für mich ist der französische Stil, von dem ich aber nicht so genau weiß, was das ist – und auch ein gelber Paprika am Tisch.«

1997 von Zell am See nach Linz transloziert führen ihn die Langeweile und eine befreundete Regieassistentin dazu, dass er sich »in ein Theaterstück hinzugeschossen« als Statist in einer Tischgesellschaft bei einer Faust-Inszenierung im Phönixtheater wiederfindet. Die allerersten eigenen Sachen, die wie viele seiner Stücke »aus einem freien Gedanken heraus produziert werden« entstehen dann mit Andreas Wolf, der in weiterer Folge über eine Moderation beim Ars Electronica Festival bei Ö1 landet. Diesen sogenannten »Living Shit Shows« folgen die einmal im Monat stattfindenden surrealistisch-anarchisch-abstrakten Late-Night-Shows »Good Night Huber«, bei denen er lokale Künstler wie Martin Honzik (nun Ars Electronica Festivalleiter) oder Hannes Langeder vom IFEK (Institut für erweiterte Kunst), in sein »Spiel mit Verquertheiten und Versatzstücken« miteinbezieht.

Das erste selbst inszenierte Theaterstück am Phönixtheater heißt »Aida (Opus Trash nach Verdi)«. Daraus entwindet sich dann die Kunstfigur des Georgie Gold (Tony Clifton von Andy Kaufmann winkt um die Ecke): ein abgehalfterter Entertainer der 1970er Jahre, der aberwitzige, surrealistische Schoten rund um seine berühmten WeggefährtInnen auftischt. Ihm folgt die düstere Figur des »Bonesmasheryman«, einem mordenden Versicherungsvertreter, der den Menschen den Tod als Freiheit und Erlösung verkauft. E.T.A. Hoffmann oder E. A. Poe bieten sich als Referenzen an, die »Circus Songs« der Tiger Lillies werden ebenfalls als Inspirationsborn genannt. Es wird auffällig wenig gesprochen in diesem von schwarzem, britischem Humor durchtränktem Gruselstück.

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»Ich glaube an versteckte Botschaften, an Subversivität, an das Unerklärbare, an das Geheimnis«, sinniert Patrik Huber. Und allgemein zum Verhältnis Text und Schauspiel: »Ein Schauspieler, der sich einfach einmal zwei Minuten lang hinstellt und nur wirken lässt ist für mich zehnmal interessanter als ein Schauspieler, der gleich alles mit einem Text zuschüttet. Für mich ist jeder Schauspieler, der ein Geheimnis hat, ein guter Schauspieler.« Und so betreten als nächstes die geheimnisvollen »Living Dead Clowns« die Huber‘sche Kuriositäten-Bühne. Die zenbuddhistisch-dadaistisch agierende Clowntruppe verdeutlicht einmal mehr seinen künstlerischen Ansatz: »Es geht um die Sinnentleerung, das Hier-und-Jetzt, Verdichtung, Präsenz, Authentizität.«

Aprés-Ski für Stadtmenschen
Die irrsinnige Angst vor dem Stillstand gebiert das nächste Werk, eine Schaufenster-Performance unter dem Titel: »Klaus Kinski isst Helmut Berger». Die Biografie von Helmut Berger dient dabei als Ausgangspunkt zur Konfrontation zweier sehr exzentrischer, egozentrischer Charaktere. Patrik Huber über seine unterschiedlichen Charaktere: »Meine Figuren entstehen aus Empathie mir selber gegenüber. Ich bin interessiert am Individuum; an der Frage, wo der Schmerz, wo das Loslassen anfängt.«  

Eine der rezentesten Kunstfiguren ist schließlich der »Guru Baba Huba«, eine Persiflage auf den Jet-Set-Guru Osho, von dem zum Beispiel auch Hubsi Kramer, ein Intimus von Patrik Huber, ein Anhänger ist. Für Hubsi Kramer hat Patrik Huber einige Stücke geschrieben und inszeniert, wie auch ein Performancestück zur Eröffnung der ehemalige Garage-X (»Entschuldigen Sie bitte, but this is so stupid«). Patrik Huber ist aber nicht nur im Theaterbereich tätig, er bedient mehrere Kunstsparten und Unterhaltungsebenen. Als DJ legt er zum Beispiel »Aprés-Ski für Stadtmenschen» auf, als Maler experimentiert er mit Elementen des Jugendstils, um zu erforschen, »was es braucht, um den dekorativen Effekt in einem Bild auch wieder zu brechen«. Angesprochen auf seine Vielseitigkeit entgegnet er schmunzelnd: «Ich würde grundsätzlich sagen, ich bin außer Konkurrenz. Nicht weil ich mich höher bewerte, sondern weil ich bei diesem Spiel einfach nicht mitmache.«
So fallen im Laufe der sonntagvormittäglichen Unterhaltung im Café Westend auch noch Sprüche wie: »Menschlichkeit und Empathie, das ist für mich die moderne Anarchie« oder »Ich glaube auch an den metaphysischen Anspruch eines Menschen, irgendwo hinzukommen.«
Angesprochen auf Routinen und Vorbilder erfährt man Folgendes: »Meine wichtigste Routine ist eine Stunde Spazierengehen gleich nach dem Aufstehen.« Vorbilder hat Patrik Huber keine, er spricht von Personen, »denen ich eine geistige Verbundenheit zusprechen kann.«

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Alles ganz Moll
In Wien würde Patrik Huber gerne mehr machen. Zuletzt war er Anfang Oktober bei der zweitägigen Live-Art-Performance-Veranstaltung »Hotel Obscura« im Magdas Hotel zu erleben. Ein aktuelles Projekt ist neben der Wiederaufnahme des Stückes »Honolulu Blues«, an dem am Interviewtag in Wien geprobt wird, eine geplante Buchpublikation unter dem aufrührerischen Titel »Poems for Anarchy«. Die Sammlung von assoziativen Texten der letzten Jahre soll samt einer CD, eingesprochen von Hubsi Kramar, Michael Smulik und Christian Strasser sowie natürlich Patrik Huber himself, und Bildern von Fotokünstlern erscheinen. Ende 2016 soll es so weit sein, ein Verlag wird noch gesucht. Des weiteren arbeitet Patrik Huber gemeinsam mit seiner Freundin Madame Humtata an einem introspektiven Cover-Album: langsame Klavierbegleitung, »alles ganz Moll«. Weiters schreibt er die Texte für ein neues Album von Madame Humtata. Und in Linz tritt er gelegentlich im Rahmen von »Noise Picnic« mit Improvisationsmusikern auf: »Ich habe 15 bis 20 Jahre daran gearbeitet, dass ich jetzt auf die Bühne gehen kann und einfach spontan, ohne Vorbereitung, eine Stunde lang etwas machen kann. Mit meinen Möglichkeiten und dem Gedanken der Freiheit passt das zusammen.«

Text: Stefanie Frauwallner, Michael-Franz Woels | 11.06.2016

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