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Regionale Fliehkraft

NÖ Viertelfestival 2016

Text: Alfred Pranzl | 04.06.2016
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Aufn und Abschieben © Benedek Bör
Das Viertelfestival Niederösterreichisch gibt regionaler Kreativität breiten Raum, 2016 im Mostviertel. »Fliehkraft«, das diesjährige Motto, widmet sich den Gegensätzen zwischen urbanen Ballungszentren und ländlicher Peripherie. skug thematisiert einige Projekte, die sich mit Flucht & Migration befassen sowie die Klanginstallation »Die Weichengängerin« in der Mariazellerbahn, die am 4. Juni im Bahnhof Laubenbachmühle eröffnet wird.


Paradigmatisch für Heimatverbundenheit einerseits und die Anziehungskraft der weiten Welt andererseits steht eine Buchpräsentation. Heimo Cerny und Gerhard Proksch schildern in
»Kollmitzberg: Heimat & Hoffnung« die Be- und Absiedlungsgeschichte des in der Gemeinde Ardagger gelegenen Ortsteiles. Das Buch wird am Freitag, 8. Juli, 19 Uhr direkt am Hochplateau des Panorama- und Kirtagsberges präsentiert. In der Depression der 1930er Jahre ging es noch ums Auswandern aus wirtschaftlichen Gründen, doch durch die Machtergreifung der Nazis 1938 mit der »Heim«-Holung Österreichs ins Deutsche Reich Hitlers waren alsbald politische Gründe Hauptgrund von erzwungener Flucht und Vertreibung.

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Kollmitzberg  © Adl, 1930, Kollmitzberg/Repro Cerny, Amstetten

»Fluchtwege«
Besonders schlimm erging es Gegangenen, die der Inhaftierung in Zuchthäusern bzw. Konzentrationslagern entgehen wollten bzw. sich schon in Freiheit wähnten. So etwa in Krems/Stein, wo am 6. April 1945 der Direktor die Tore des heute wegen anderen Umständen berüchtigten Gefängnisses öffnete. Obwohl der Krieg längst verloren war, verständigten fanatische Aufseher die SS-Kreisleitung. Bei der darauf folgenden »Kremser Hasenjagd« wurden die Geflohenen auf dem Weg nach St. Pölten in Mautern, Paudorf und weiteren Dörfern von SS, Wehrmacht und Volkssturm massakriert. Auf einer Wanderung erkunden KünstlerInnen des Vereins Raumgreifend und ExpertInnen die Fluchtwege der Häftlinge und stellen dabei Bezüge zu aktuellen Fluchtbewegungen her. Programm am Samstag, 21. Mai ab 9 Uhr in den erwähnten Orten.

»Die Kraft zu fliehen«
Die Zeitebenen von 2. Weltkrieg mit heutigen Krisenherden verschränkt der Dokumentarfilm »Die Kraft zu Fliehen«. Er widmet sich Erzählungen von Geflüchteten einst – da kann es sich auch um ein Davonlaufen vor vergewaltigenden Besatzern handeln – und jetzt: Fluchtgründe, geschildert von Menschen aus vielerlei Krisenregionen, die sich im Mostviertel nun sicher fühlen. Dok-Filmvorführung: Jeweils Samstags bis inkl. 30. Juli im Rittersaal der Burgarena Reinsberg.

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Flucht einst und jetzt © Peter Faschingleitner, pictoresk

Bereits am 2. Juni wurde in Scheibbs das Schulprojekt »Aufnehmen oder Abschieben« vorgestellt. Das illustrierende Bild von Benedek Bör ist auch das Titelfoto dieses Artikels. Denn die allerletzte Möglichkeit Flucht ist vielen Menschen nicht bewusst, weil von Boulevard und politisch hetzenden Rechtsparteien die Einzelschicksale von Asylwerbern verwischt werden und oft nur mehr die Rede von bedrohlichen Flüchtlingsströmen ist. Ein verdienstvoller Workshop mit Empathie für Migranten, der Schulkinder zu Diskussionen über ein »Gutes Zusammenleben für alle« anregte.

»Kriegsflucht – Überlebenskraft«
Die Perspektive von Schulkindern stellt auch die künstlerische Dokumentation »Kriegsflucht – Überlebenskraft« in Wieselburger Schulen aus. Kinderzeichnungen zum Thema »Frieden« werden in Schaufenstern von Wieselburger Geschäften gezeigt und Gehsteige vor den Schulgebäuden werden zu Ausstellungsflächen. Darauf werden Fakten zu Menschen, die auf der Flucht zu Tode kamen, auf das Pflaster gesprüht. Präsentationszeitraum: 10. Juni bis 7. August 2016.

»Du kannst alles schaffen, wenn ein Freund dir die Hand reicht«. Dieser Satz ist die Essenz aus dem Stück »Wohin jetzt?« der Theaterwerkstatt im Wasserschloss St. Pölten. Es basiert auf dem Jugendbuch »Funklerwald« von Stefanie Taschinski, wobei Jugendliche zusätzlich ihre eigenen Erfahrungen im Umgang mit den scheinbar »Fremden« einbringen. Samstag, 11. Juni, 17 Uhr im Kulturhaus Wagram St. Pölten.

Auf Oral History basiert auch »Her kommen / Da sein / Weg gehen« über Migration im globalen Mostviertel. Die audiovisuellen Lebenserzählungen von Mostviertlern, die sich niedergelassen bzw. ihren Heimatort verlassen haben, verbleiben als digitale Exhibition im Web 2.0, werden aber zuvor am Mittwoch,15. Juni, 18:30 Uhr im Niederösterreichischen Landesarchiv St. Pölten präsentiert.

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Die Weichengängerin © Sabine Ziegelwanger

»Die Weichengängerin – Ein Leben auf Schiene«

Die Zeitschrift »Rokkos‘ Adventures« hat bereits mit der Wortwerft zusammengearbeitet. Das Ziel der Worfwerft, in Form außerordentlicher Präsentationen Literatur erlebbar zu machen, wird einmal mehr erreicht werden, in Kooperation mit den Soundkünstlerinnen Lale Rodgarkia-Dara und Veronika Mayer. Aus Gesprächen mit Menschen, die die Mariazellerbahn frequentieren, hat die Worfwerft Texte über deren Alltagsleben und Mobilität exzerpiert. Der Klang dieser O-Töne wird mit Geräuschen des Ötscherbären-Zuges und der Umgebung zusammenfließen, wozu die Elektroakustikerinnen spezielle Lautsprecher montiert haben, die alle Raumobjekte als Resonanzkörper benützen. Gegenwart und Erinnertes finden zu einer akustischen Liaison, die nebenbei auch Stadt- und Landflucht symbolisiert.




Eröffnung & Konzert mit Lesung im Bahnhof Laubenbachmühle:

Samstag, 4. Juni 2016, 11 Uhr

Dauer/Ort der Klanginstallation:
4. Juni bis 8. August 2016 in der Mariazellerbahn.
In der barrierefreien Himmelstreppe kann man die Hör-Installation per QR-Code downloaden. Außerdem liegt eine Broschüre mit Fotos von Sabine Ziegelwanger samt Zitaten aus den Interviews und Gedichten der Wortwerft auf.

Text: Alfred Pranzl | 04.06.2016

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