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Sun Worship

‭»‬Pale Dawn‭« - Golden Antenna

Text: Holger Adam | 10.05.2016

Black Metal.‭ ‬Da hatte ich‭ ‬1992‭ ‬gerade noch so Darkthrones‭ »‬A Blaze In The Northern Sky‭«‬ mitgekriegt,‭ ‬da ich‭ ‬– als Metal-Landei‭ ‬– ein paar Peaceville-CDs auf Klassenfahrt in Berlin gekauft hatte‭ (‬u.‭ ‬a.‭ »‬Gothic‭«‬ von Paradise Lost‭) ‬und das Label irgendwie im Auge behielt‭ (‬»Rock Hard‭«‬ lesen‭)‬.‭ ‬Gründerväter des Black Metal‭ ‬wie Venom,‭ ‬Bathory,‭ ‬Hellhammer oder Celtic Frost waren mir ein Begriff und ich hatte auch einen Schwung Earache-Veröffentlichungen‭ (‬Carcass,‭ ‬Cathedral,‭ ‬Napalm Death,‭ ‬Bolt Thrower,‭ ‬Nocturnus,‭ ‬Morbid Angel‭) ‬zu Hause herumfliegen,‭ ‬aber‭ ‬– das macht ja den entscheidenden Unterschied‭! ‬– das waren alles Doom,‭ ‬Death Metal oder Grindcore Bands,‭ ‬die ich da anhörte.‭ ‬Vor allem war ich ein Fan von Entombed,‭ ‬deren‭ »‬Wolverine Blues‭«‬ 1993‭ ‬die letzte Metal-Veröffentlichung war,‭ ‬der ich für lange Zeit Aufmerksamkeit schenken sollte.‭ ‬Ich kam dann nämlich‭ »‬raus‭«‬ von‭ ‬zu Hause,‭ ‬lernte neue Leute mit anderen musikalischen Vorlieben kennen und Metal war nicht mehr‭ »‬cool‭«‬.‭ ‬Sicher,‭ ‬den Unfug in Norwegen,‭ ‬die brennenden Kirchen und den Mord an Euronymous,‭ ‬auch das bekam ich noch mit‭ ‬– ein Grund mehr sich abzuwenden.‭ ‬In den‭ ‬23‭ ‬Jahren seitdem ist einiges passiert.‭ ‬Metal ist längst keine Subkultur mehr,‭ ‬die vornehmlich Kids aus weißen‭ (‬aber auch migrantisch geprägten‭) ‬Arbeiterkulturen anzieht und weder im Radio noch im Musikfernsehen gespielt wird.‭ »‬Thrash in Altenessen‭«‬ war gestern.‭ ‬Metal,‭ ‬welcher Spielart auch immer,‭ ‬hat, wie Fußball,‭ ‬seit den Neunziger Jahren eine steile gesellschaftliche Karriere hingelegt,‭ ‬deren Wohl und Wehe ich hier nicht beurteilen will,‭ ‬aber‭ ‬– so viel Vulgär-Bourdieu muss sein‭ ‬– das‭ »‬coole Wissen‭«‬ über Metal dient zur Distinktion längst auch dort,‭ ‬wo neben Mayhem auch Moondog,‭ ‬My Bloody Valentine oder Messiaen in der Plattensammlung des jungen Menschen in der postgraduierten Phase stehen,‭ ‬denn Metal ist‭ (‬wieder‭) ‬cool‭ ‬– nicht zuletzt Black Metal.‭ ‬Fragen Sie Dietmar Dath,‭ ‬der während seiner Zeit bei »‬SPEX‭«‬ zur quasi akademischen Rezeption von Metal sein Scherflein beitrug,‭ ‬wenn Sie mir nicht glauben wollen‭ ‬...‭ ‬Und damit kommen wir nun endlich zu Sun Worship und ihrem zweiten Album‭ »‬Pale Dawn‭«‬.‭ ‬Die lassen nämlich im Waschzettel zur Platte ausrichten,‭ ‬von Moondog und Manuel Göttsching ebenso Einflüsse zu beziehen‭ ‬wie von Mayhem.‭ ‬Das mag sein und dient als Beleg oben angesprochener Perspektiven‭ ‬– man hört es aber zum Glück nicht‭! ‬Sun Worship spielen‭ ‬– dem gehörnten Gott der Unterwelt sei Dank‭! ‬– keinen irgendwie auf Crossover oder ausgestelltes Schlaumeiertum hin angelegten‭ »‬Hipster-Scheiß‭«‬ (wie beispielsweise Liturgy es tun‭)‬.‭ ‬Die diskursive Rahmung von‭ »‬Pale Dawn‭«‬ mag dazu dienen,‭ ‬nicht in der Genre-Gruft eingeschlossen zu werden,‭ ‬auch laufen die drei nicht in Corpse Paint durch Berlin,‭ ‬wo sie wohnen.‭ ‬Gut so.‭ ‬Aber die vier Songs‭ ‬auf‭ »‬Pale Dawn‭«‬ sind geradliniger Metal.‭ ‬Dynamisch,‭ ‬abwechslungsreich und zumeist rasend schnell gespielt.‭ ‬Das geht gut ab.‭ ‬Schnörkellos und zumeist voll auf die Zwölf und mit der notwendigen Dramatik vertont.‭ ‬Feine Unterschiede in der Etikettierung‭ ‬– Cosmic-,‭ ‬Transcendental-‭ ‬oder Ambient-Black-Metal‭? ‬– überlasse ich an dieser Stelle liebend gerne anderen.‭ ‬Wie gesagt,‭ ‬ich bin mehr oder weniger seit‭ ‬1993‭ »‬raus‭«‬.‭ ‬Die Titel der vier Songs auf‭ »‬Pale Dawn‭«‬ geben Anregungen,‭ ‬sich gedanklich ein paar Welten und damit einhergehend einen möglichen‭ »‬Sinn‭«‬ zusammen zu spinnen:‭ »‬Pale Dawn‭«‬,‭ »‬Lichtenberg Figures‭«‬,‭ »‬Naiad‭«‬,‭ »‬Perihelion‭«‬ verweisen auf romantische,‭ ‬physikalische,‭ ‬antike und kosmische Motive.‭ ‬Das ist schön,‭ ‬aber nicht entscheidend.‭ ‬Entscheidend ist,‭ ‬dass‭ »‬Pale Dawn‭«‬ ordentlich abgeht.‭ ‬Sun Worship,‭ ‬kein Bullshit.‭ ‬Ende der Durchsage.


Text: Holger Adam | 10.05.2016

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