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Comunidad Internacional #12 – Shades of Africa

Text: Hans Grausgruber | 04.05.2016
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Constantiople & Ablaye Cissoko ©Michael Slobodian
Reissues aus den 1970s, zeitgenössische Field Recordings und Fusions allüberall.

»Soul Sok Séga – Séga Sounds from Mauritius 1973–1979« (Strut/Hoanzl) ist der Musik des kleinen frankophonen Inselstaats Mauritius im Pazifik gewidmt. Soul_Sok_Sega_cover_final.jpgVor Jahren brachte ein Freund Kassetten aus dem Urlaub in Mauritius mit nach Hause, die ich digitalisierte und immer wieder hörte. Mit der Minidisc verschwand allerdings auch diese Musik wieder von meinem Radar. »Soul Sok Séga« ist eines der Reissue-Highlights der letzten Zeit. Séga ist eine Musikform, die bei uns selbst in einschlägig interessierten Kreisen keinen allzu hohen Bekanntheitsgrad erreicht hat – zu Unrecht, wie diese Compilation mit 20 Kompositionen aus den 1970s beweist. Ti LʼAfrique eröffnet mit jenem Song, der diesem Album den Namen gibt – und er klingt, als wäre er ein zeitgenössischer Remix, ein sehr gelungener obendrein. Und man kann sagen, dass dieses hohe Niveau durchgängig gehalten wird. Der Sound des Séga ist weich, rund und rhythmisch wie Musik aus der Karibik und hat diverse afrikanische Einflüsse, die von den Kapverden bis Mosambik, vom Sahel bis ins südliche Afrika reichen, was mit der multiethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung von Mauritius zu erklären ist. Wenn John Kenneth Nelson auf »Z’Enfant Misère« Musik wie aus Haiti spielt, so behält die perkussive Akzentuierung trotzdem eine Qualität, die wir aus dem Senegal kennen. grgru.jpgViele Songs haben den Swing von Tanz- oder Karnevalsmusik – ohne das zu aber zu überreizen: Diese gelegentlich auch leicht melancholische Musik lässt sich in allen Lebenslagen hören.

»Every Song Has Its End – Sonic Dispatches from Mali« (Glitterbeat/Hoanzl) ist eine Compilation von Field Recordings die der amerikanische Produzent Paul Chandler quer über Mali in erstaunlich guter Qualität aufgenommen hat, und die teilweise wie Studioaufnahmen klingen. Einzelne Songs haben durchaus Pop Appeal, wie man das von Malis populären Bands kennt. Auch die regionale Vielfalt trägt dazu bei, dass keine Langeweile aufkommen kann. Aber es sind trotz aller Hörerfreundlichkeit Field Recordings, die beim Hörer hier und da auch eine gewisse Offenheit voraussetzen.

jardinc.jpg»Jardins Migrateurs« (Ma Case/Broken Silence) von Constantiople & Ablaye Cissoko ist ein Album, dessen Musik man erst einmal einfach als »schön« (im Sinne von sehr harmonisch) bezeichnen muss, eine afrikanisch-orientalische Fusion, die wesentlich vom Cora-Spiel Cissokos und der Musik des Senegals bzw. Sahel beeinflusst ist: ruhige, entspannte Kompositionen, die die Schönheit und heilende Kraft der orientalischen Gärten und den Blick in die unendliche Weite des Himmels wiederspiegeln sollen. Dabei ist diese Musik ursächlich weder spirituell noch abgehoben, sondern recht erdverbunden, wie es die Musik der populären Griots der Sahelländer ja letztlich auch ist. Zu dieser Musik kommen nun die Musik des Orients bzw. des orientalischen Andalusien – aber auch afrokubanische Rhythmen wie bei »Lountang«, das sich wie eine Hommage an den Buena Vista Social Club anhört. Eine der originellsten und erfrischendsten aktuellen Veröffentlichungen, die ich im World-Genre seit einiger Zeit gehört habe. Eine zeitlose Musik von einer Band (Constantinople), die sich der Renaissance-Musik verschrieben hat – und hier einen Anknüpfungspunkt gefunden hat.

bombino.jpg»Folkrock« aus der Sahara! Erfrischend schnörkellos jagt Bombino auf »Azel« (Partisan/der Promotor) seine Gitarrenriffs und -soli durch die Boxen. Zweifellos ist er ein ausgezeichneter Gitarrist. Der Sound ist sofort als klassischer Wüsten-Bluesrock erkennbar, der Percussion-Sound, die Stimmen sprechen eine klare Sprache, aber irgendwie bekommt man auch den Eindruck, dass dieses Album manchmal näher am Folkrock der 1970s als am Wüstenblues ist. Ein Album, gerade und frisch – und gelegentlich etwas zu fetzig, wie auf »Jaguar«. Ich stand der »Ideologiesierung« des Beduinentums und der euphorischen westlichen Rezeption immer suspekt gegenüber – stelle das hier aber einmal hintan.



»Soul Sok Séga – Séga Sounds from Mauritius 1973–1979« (Strut/Hoanzl)

Various Artists: »Every Song Has Its End – Sonic Dispatches from Mali« (Glitterbeat/Hoanzl)

Constantinople & Ablaye Cissoko: »Jardins Migrateurs« (Ma Case/Broken Silence)

Bombino: »Azel« (Partisan/der Promotor)


Text: Hans Grausgruber | 04.05.2016

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