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Razen

»Endrhymes« - Kraak

Text: Holger Adam | 26.01.2016

Razen könnten im Prinzip Ernst Reijseger beerben und fortan die Musik zu Dokumentationen von Werner Herzog liefern. Das würde gut passen. Die Musik, ausgeführt mit Dudelsack, Bassflöte, Synthesizer und dem einen oder anderen zusätzlichen Instrument, entspricht in mancherlei Hinsicht dem Regisseur der »ekstatischen Wahrheit«. So hat Herzog beispielsweise einmal betrunkene Einheimische auf einen vereisten russischen See geschickt, mit dem Auftrag so zu tun, als ob sie durch die Eisdecke hindurch nach den »Glocken aus der Tiefe« lauschen. Als Zuschauer dieser Szenen hält man die kriechenden Leiber für tief religiöse Zeitgenossen – das beeindruckt und belustigt, und die absurde Inszenierung suggeriert dem Betrachter die Gretchenfrage: »Nun sag‘, wie hast Du’s mit der Religion?«Schon vor Paris eine unangenehme Frage, in so genannten aufgeklärten Kreisen sowieso. Aber dort weiß man ja auch, dass die »Mythen schon Aufklärung vollziehen« – deshalb schaut man sich Filme von Herzog an und hört Platten von Razen, denn beide spielen buchstäblich mit Versatzstücken und Restbeständen spiritueller Erfahrung, wohl wissend, dass Musik und Film – postmodern gebrochen und eklektisch im Zugang – geeignet sind, die Sehnsucht nach dem Anderen in der (scheinbar) aufgeklärten Welt in sich aufzuheben, zu erhalten und zu nähren. Auf dass man geistig nicht verarme. Und so vermitteln Razen ebenso den Eindruck gewissermaßen monastisch disziplinierter Musiker. Unbewegt stehen sie bei Konzerten hinter antiquiert erscheinenden Instrumenten (selbst der Synthesizer ist eine alte Kiste) und spielen eine beinahe statische, in sich ruhende und der Welt scheinbar abgewandte Musik. Auch »Endrhymes« umgibt diese Aura. Die vier Stücke des Albums verlangen nach ungeteilter Aufmerksamkeit. Zuhören als Exerzitium. Deep Listening, sagt der Fachmann, denkt an Pauline Oliveros und andere Vertreter der Minimal Music. Das mag man kategorisch ablehnen und für esoterischen Mumpitz halten. Man kann sich aber auch auf die hypnotischen Instrumentals einlassen und die bereichernde Erfahrung einer wenn auch nicht außerweltlich so mit Sicherheit jedoch außergewöhnlich schönen und seltsam berührenden Musik machen.



Text: Holger Adam | 26.01.2016

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