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The Real McCoy

Text: Hans Grausgruber | 13.10.2015
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Saun & Starr
Funky Sensations: Disco widerspricht der landläufigen Vorstellung von einer Band als kreativem Kollektiv. Viele Tonträger waren eher das Werk von Produzenten und Toningenieuren als das der Bandmitglieder. Ich denke, dass sich darauf viele Vorurteile gegen Disco gründen.

Mit »Disco 2 – A Further Fine Selectionof Independent Disco, Modern Soul andBoogie 1976–80« (Soul Jazz Rec./Trost), fokussiert Kompilator Disco Patrick dieses Mal im Vergleich zu Vol. 1 stärker auf Disco und weniger auf jenen Grenzbereich, der die musikalische Zeitenwende zu Boogie und Electro/HipHop ankündigte beziehungsweise vollzog. Im Prinzip hätte man sich das »Modern Soul« und »Boogie« im Titel sparen können. Auch der Zeitrahmen (bis 1980) erfasst ja diese Stile kaum noch. Man sollte sich die Chance, großen US-Disco etwas abseits des bekannten Mainstreams kennenzulernen, nicht entgehen lassen: Es ist durchwegs sehr funkiger und dennoch leichtfüßiger, oftmals jazziger Disco mit einer gelegentlichen Note Brazil nicht nur von den dominierenden Genre-Labels wie TK oder Salsoul, eine 18-Track-Compilation der klassischen Discojahre. Die Palette umfasst (wahlweise) High Frequency’s pop-orientierten MOR-Disco »Summertime« wie Dunn Pearson Jr’s »Groove On Down«, das stark nach klassischem Philly-Sound (Pearson arbeitete mit Bands wie Inner Life oder Logg) klingt, Stevo’s funkig bläserorientiertes »Pay the Price« oder Needa’s »Rock a Freak«, das dem Anspruch Boogie noch am nächsten kommt.

»Le Freak – Music Inspiredby Chic: Compiledby Joey Negro«(ZR Rec./Hoanzl) ist »goodtimesmusic«, ohne Abstriche, vom Anfang bis zum Ende, aus einem Guss, als wären alle Songs vom Gespann Bernhard Edwards & Nile Rodgers komponiert und produziert – sind sie aber nicht. Tatsächlich haben die beiden Masterminds von Chic nur einen der 14 Tracks produziert, ein weiterer stammt aus ihrer Feder. Es demonstriert diese Compilation überaus eindrucksvoll, wie sehr Edwards/Rodgers die Popmusik der späten 1970s und 1980s über Chic und Sister Sledge hinaus beeinflusst haben. Es ist dies eine geschmeidige und tanzbare Funk-&-Disco-orientierte Popmusik, die problemlos den Crossover zum weißen Publikum, auch zu den Rockfans, schaffte. Keiner damals konnte sich dem entziehen. Im Chic-Stil zu hören u.a.: Michael Zager Band, Odessey, Charanga 76 oder Ultra Nate.

»Look Closer«(Daptone/Groove Attack) von SAUN & STARR ist ein geradliniges, in jeder Hinsicht perfekt gemachtes Modern-Soul-Album, dem man seine Daptone-Abstammung klar anhört. Die Instrumentierung, die typischen, stringent arrangierten Bläser – alles durchwegs relaxed und dennoch kraftvoll präsentiert, wie man das von einer über die Jahre gut aufeinander abgestimmten Band-Maschinerie erwarten darf und wie man das von allen großen Studiobands der Soul-Geschichte kennt. Wie schon auf früheren Alben erweist die Band nicht nur den berühmten Studios von annodazumal Reverenz, sondern auch kursierenden Retro-Moden wie Ethio-Jazz. Die beiden Sängerinnen Saundra Williams und Starr Duncan Lowe singen häufig im Balladen-Fach, perfekt, ohne große Eskapaden, die Tonlage ist da und dort leicht Gospel-beeinflusst, im Prinzip MOR-R&B&Soul-Brillanz.

Funky Jamaica: Manche Reggae-Fans unterscheiden zwischen Reggae und Roots: Dabei gilt Reggae als relativ kurze Epoche zwischen Rocksteady und Roots, mit dem dann Themen des Rastafarismus zu dominieren begannen. Aber Jah, Rasta, die Lehren Marcus Garveys, Haile Selassie und eine zumindest spirituelle Heimkehr in die afrikanische Heimat waren auch in den Jahrzehnten davor schon präsent. Die zwanzig Songs auf »Rastafari – The Dreads Enter Babylon 1955–83«(Soul Jazz Records/Trost) von so unterschiedlichen Musikern und Poeten wie Count Ossie, Mutabaruka, Johnny Clarke und Earth & Stone oder Laurel Aitken und Lord Lebby belegen das beeindruckend. Die musikalischen und thematischen Herangehensweisen sind ohne (chronologische Anordnung) breit gestreut und bunt: Ska und Roots Reggae, Calypso, Nybabingi und Burrotrommelnmit Jazz-Bläsern führen uns tief in die diversen Welten jamaikanischen Musikschaffens. Das 40-seitige illustrierte Booklet gehört zum Besten, das zu diesem Thema geschrieben wurde.

»100% Dynamite: Ska, Soul, Rocksteady& Funk in Jamaica«(Soul Jazz Records/Trost) ist ein um fünf Songs erweitertes Reissue der ursprünglichen (sehr erfolgreichen) Edition von 1998. Es ist dicht gefüllt mit Klassikern des souligen und funkigen Jamaica (Willie Williams, Tommy McCook, Toots&theMaytals etc.), die sich auf ihre US-amerikanischen Vorbilder beziehen, ohne abzukupfern. Wer den Superfunk »Greedy G« von den Brentford All-Stars kennt, weiß wohin die Reise geht. Die fünf neuen Tracks stammen u.a. von Bunny Clark mit einer schwer reggaefizierten Version von »BeThankful« oder Phyllis Dillon mit dem Groove-Klassiker »Womanofthe Ghetto«.


Text: Hans Grausgruber | 13.10.2015

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