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Leidenschaft & Experiment 20 Jahre Compost Records

Text: Hans Kulisch | 25.09.2015
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Das Münchner Label findet weltweit Beachtung mit qualitativ hochwertigen Liaisons von Jazz, Soul und Elektronik.

Michael Reinboth war schon in den 1980ern als DJ, Journalist, Veranstalter und Plattensammler bekannt. Als Konsequenz seiner Erfahrungen folgte 1994 die Label-Gründung. Compost Records München ist seit zwanzig Jahren erfolgreich bei der Entdeckung neuer Fusionmusik, neuer Künstler und im Verlegen hochgestochener Clubmusik jenseits von kommerziellem Mainstream. Vergleichbare Plattenfirmen sind MoWax, Warp oder Ninja Tune und Qualitäts-Digger Reinboth ist punkto langfristigem Elan und andauerndem Qualitätsanspruch nach wie vor vorn dabei, etwa mit dem aktuellen Album »Deaf Safari« des Südafrikaners Felix Laband. Laband ist ein Paradebeispiel für die Intensität und das Emotionale auf Compost-Veröffentlichungen. Egal ob Musiker, Produzent oder DJ: Es geht um die Musik, die aus dem Herzen kommt und nicht darum, in die Charts oder coole Freunde zu finden. Zu bemerken ist dies auch bei den eklektischen Brechungen zwischen Funk, Soul, Jazz, House, Techno, Brazil, Drum’n‘Bass, Nu Jazz etc. Klasse und Experiment zeichnen die besten Compost-Acts aus – Garanten für tolle neue Musik.

Eklektische Future Sounds
Die subsidiären Labels Compost Black Label, Compost Disco, Derwin Recordings und Drumpoet Community stehen für Qualität und eine enorme Mixtur aus Disco, House, Techno, Soul und Jazz. Eine Edeladresse wo Elektronik auf Musikalität trifft. Beliebt waren schon die superben Compilations »Glücklich 1–5« (1994) oder »Future Sounds Of Jazz 1–11« (2007). Damit hatte Compost Anteil an der Entwicklungsgeschichte bester neuer Fusion-Musik – Clubmusik saugte damals neue Strömungen auf, ohne kommerziell sein zu wollen.
Gilles Peterson wurde erstmals zu einem München-Gig eingeladen, ein Spurenelement, das über die einzigartige Eklektik des Label-Programms einiges aussagt, was insbesondere ein Zitat vom Freiburger Produzenten/Musiker Rainer Trüby, einem der bekanntesten Verfechter dieses Genres weltweit, belegt: compost2.jpg»Jazz stands in as the Godfather, electronic music is the Mother and we are the Children«. Andere bezeichneten das als Fusion, was aber nur ein Ansatz ist. Dazu passt Reinboths Arbeitsphilosophie: Er hat die meisten Acts, wovon manche noch immer Artists auf Compost sind, schon sehr früh gebucht – ein wohltuender Kontrast zur kommerziellen Musikindustrie. Unbekannte Talente sind anfangs günstiger zu haben, und nach wie vor sind nur Qualitätsmerkmale entscheidend für eine Veröffentlichung.

Buch zum Jubiläum
Compost gilt immer noch als Underground-Label und hatte so wie viele andere erfolgreiche Zeiten, doch ab 2002 ging es bergab. Der Vertrieb war pleite und ohne familiäre Abhängigkeiten im positiven Sinn wäre es mit Compost nicht gut weitergegangen. Wer durchhält, hat umso mehr Grund zum Feiern! Mit »Soul / Love –20 Jahre Compost Records«, dem Buch zum Jubiläum, das sich als eine fein designte Angelegenheit herausstellt. Blättert man in die Mitte des von Michael Rütten konzipierten und von Andreas Gnass gestalteten Buches, ist raffinierterweise scheinbar ein Plattencover zu erblicken. Anno 2015 enthält es den individuellen Download-Code für vierzig Tracks, geordnet auf drei Releases. Die Auswahl aus dem 4.500 Titel umfassenden Compost-Archiv präsentiert bisher nicht Veröffentlichtes, von Reinboth favorisierte Tracks, versteckte Compost-»Edelsteine« und klarerweise auch Hörenswertes der Label-Heroes A Forest Mighty Black, Trüby Trio, Beanfield, Christian Prommer … Das Buch selbst bringt hauptsächlich eine Zitatensammlung und Fotos von geschätzten Artists aus dem Compost-Umfeld, die einen guten Einblick in ihr Denken als Producer, DJ bzw. Musiker geben. Die Statements reichen dabei von Laurent Garnier über Hans Nieswandt bis Kruder & Dorfmeister.

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Michael Reinboth, Nina Schellhase (Hg.): »Soul / Love – 20 Jahre Compost Records«
Compost Records, München 2015, 296 Seiten, EUR 24,90

Felix Laband: »Deaf Safari« (Compost Records) Link zum Review aus skug #103

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Text: Hans Kulisch | 25.09.2015

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