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Blues & Rhythm & Rollin’ Gumbo Feelin’ #2

Text: C. K. Dent | 15.08.2015

In der zweiten Folge dieser neuen Review-Kolumne feiern wir gleich mal einen Abschied. Die vom britischen DJ Couple KEB DARGE & LITTLE EDITH herausgegebene Reihe ist mit »Legendary Wild Rockers Volume 5: A Collection Of Rare Rockabilly & Surf From The Fifties & Sixties« (bbe/Hoanzl) nun abgeschlossen. Keb Darge erlangte mit seinem Deep Funk Club im London der 1990er Bekanntheit und tat sich in diesem Bereich als hervorragendender Compiler hervor. So ebnete er den Weg für einen Sound, der dank der Daptone Crew (Sharon Jones, Charles Bradley & Co) eine Umsetzung in neuen Produktionen fand. Der totale Plattendigger Keb Darge interessierte sich allerdings schon seit den 1980ern für Rockabilly und hat über die Jahre eine Riesensammlung von Originalsingles und Repros angehäuft. Als vor etwa zehn Jahren mit Amy Winehouse und dem Johnny Cash-Revival die Sounds der Fifties wieder eine breitere Öffentlichkeit fanden, begann Darge die alten Scheiben in seine Sets einzubauen – ein ungewöhnlicher Move für einen Soulboy, jedoch mit durchschlagendem Erfolg.
Little Edith wuchs im Dschungel einer kleinen philippinischen Südseeinsel auf und war bis zu ihrer Jugend kaum mit westlicher Popmusik in Berührung gekommen. Sie lernte Keb Darge über eine Datingseite kennen, der ihr bei einem seiner Besuche in Asien seine alten bbe-Compilations mitbrachte. Ihre Antwort auf die Frage, welche gefallen, fiel ziemlich eindeutig aus: alle langweilig, außer die eine rote. Darauf: Rockabilly und Jump Blues. Der Kontrast zwischen Little Ediths direktem Zugang zur Musik und der selektiven Herangehensweise des Briten macht den Reiz dieser Zusammenarbeit aus. Schnell wuchs Little Edith in die Londoner Szene hinein, zeigte Ausdauer beim Wühlen nach alten Singles und mischte auf ganz eigene Weise Bekanntes mit Rarem. Für sie klang ohnehin alles frisch. Dieser Stil der Track-Auswahl hat sich auch auf die von beiden gemeinsam kompilierten Sampler übertragen. Ob etwas bekanntere Surfnummern, völlig vergessene Black-Rock’n’Roll Artists, wilder Hill-Billy-Rockabilly oder europäische Instrumentalbands. Immer gibt es was zu entdecken oder durch die Gegenüberstellung neu einzuordnen. So entwickelte sich die »Wild Rockers«-Reihe seit 2011 zum Leuchtturm für Qualität inmitten einer immer unübersichtlicheren Reissue-Landschaft. Schade, dass es nun vorbei ist, aber angeblich werden sich die beiden künftig mehr um Sixties-Garagensound kümmern. Wir erwarten nur das Beste und werden berichten.

Ein Garant für guten Stoff ist bekanntlich auch das in dieser Zeitschrift abgefeierte Label Voodoo Rhythm. Und da das Herz dieser Kolumne besonders fürs kleine Seven-Inch-Format schlägt, sei auf zwei gerade erschienene Singles aus diesem Hause hingewiesen. Das Duo THE SEX ORGANS gibt es erst seit 2014 und schon eilt ihm ein Ruf orgiastischer Live-Shows voraus. Kein Wunder, treten die beiden doch tatsächlich (nomen est omen) im Manderl- & Weiberl-Geschlechtsorgankostüm auf. Zu sehen auf dem wunderbaren Cover der Single »Fuck The Human Race« (Voodoo Rhythm/Trost). Wenn das nur der Gabba Yeh sieht. Wunderbar fucked-up-bad-taste Rock‘n’Roll mit dem nötigen Wumms und garantiert nicht jugendfrei.

Ebenfalls dem Punk verpflichtet zeigt sich BECKY LEE & DRUNK FOOT auf »I Wanna Kill Myself Side / Clown Of The Town« (Voodoo Rhythm/Trost). Die Titel sprechen für sich. Becky Lee ist mit ihrer One-Girl-Band in den letzten Jahren ziemlich viel rumgekommen und man merkt das den neuen Nummern an. Kompakt auf den Punkt gebracht und voller Energie. Wir hoff«en auf den längst überfälligen Longplayer und auf ein Booking in näherer Umgebung der Redaktion.

Im Herbst auf jeden Fall auf Österreich-Tour: MARCEL BONTEMPI. Der gebürtige Katalane beehrt im Rahmen der neuen Reihe »Savage Kicks« am 26. 9. das Wiener Lokal Replugged. Vor Kurzem kam mit »Witches Spiders Frogs & Holes – Demos & Recordings 2009–2014« (Stag-O-Lee/Indigo) eine Sammlung seiner längst vergriffenen Singles inklusive ein paar unveröffentlichter Nummern heraus. Marcel Bontempi ist einigen wohl als Frontmann der Montesas bekannt. Die Band aus Kassel gehörte in den Nuller-Jahren zu den herausragenden Beispielen für ein gelungenes Update des Sounds der frühen 1960er mit einer ganz eigenen Mischung von Beat, Rhythm & Blues, Surf, Ska und klassischem Rockabilly. Mittlerweile leben die Bandmitglieder über ganz Deutschland verstreut und Marcel Bontempi konzentriert sich mehr auf sein Solowerk. Die hier versammelten Stücke führen den Stil der Montesas im Wesentlichen weiter, wobei die Schlagrichtung auf raueren, aber ziemlich tight gespielten Rhythm & Blues und Rockabilly weist. Achtung erhöhter Tanzfaktor! Bop ‘til you drop! Der auch als Grafiker tätige und vielseitige Bontempi zeigt sich heuer äußerst umtriebig und hat gerade mit »Dr. Bontempi‘s Snake Oil Company« (Squoodge Records) noch eine Platte herausgebracht. Die Uhren sind hier anstatt auf Rockabilly ganz auf Western Swing gestellt. Einer der Highlights: »Misirlou« mit Country-Fiedel!

Text: C. K. Dent | 15.08.2015

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