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Laokoongruppe

»Blonde Mädchen Macht Und Masse« - Konkord

Text: Stefan Koroschetz | 06.02.2015

Karl Schwamberger ist ein beschäftigter Mann. Neben der Laokoongruppe betreibt er die Bands Brosd Koal (Gesang im Dialekt) und Nurse P.. Ein weiteres Projekt, das sich dem neuen Wiener Lied widmet, soll sich anpirschen. Mit »Blonde Mädchen Macht Und Masse« (BMMM) veröffentlicht er nun als Laokoongruppe sein drittes Album und bleibt dabei auf Kurs: Die Symbiose aus deutschen Texten und Technobeats, Anton-Bruckner-Samples, Landler, Bontempiorgel, Saxofon (Jazz), räudige Electronics und was weiß ich noch alles, hat sich ja bereits auf »Walzerkönig« (2007) und »Staatsoper« (2010) als einnehmend originell präsentiert, und die Ideen gehen dem Endvierziger mit oberösterreichischen Wurzeln nicht aus. Fast so verwunderlich wie die blonden Haare aus dem Mund am Cover von BMMM muten daher die stilistischen Haken der Soundtexturen in den Stücken an, die vom Entwurf her dem Singer/Songwriter-Genre durchaus nahe stehen. So singt Schwamberger (auch) in großen Melodiebögen, die wieder eine Nähe zum Schlager suggerieren. Nur sind die fertigen »Songs« dann eben abenteuerliche Fahrten auf der Soundachterbahn, die wie eine Landkarte der musikalischen Sozialisation Schwambergers gelesen werden können. Vermeintliche Ursprünglichkeit, wie sie in der Musikschreibe gern gepredigt wird, gibt die Laokoongruppe gar nicht vor. »Authentizität«? War immer schon ein Hundefutter aus der Blechdose, sagt die Labelinfo. Also Pop Artificielle Galore. Genauso wenig echt verhält es sich mit den Texten, die in vagen Bildern und Anspielungen wie ein lyrisches Ich assoziativ funktionieren. Eher schon haben diese Trigger-Funktion mit markanten, lässig zitierbaren Stellen: »Ich muss nur rasch das Sprüchlein sagen/ Zum Trost der Toten für die Blinden/ Ihr werdet euren Weg schon finden/ Den Pfad der Blinden für die Toten« heißt es etwa im wohlig groovenden Eröffnungsstück »Zwölftonjodler«. Oder »Oh Bonnie bitte sieh dich an wie schön du bist/ Dein Kleid leuchtet durch die Postdemokratie«, auch so eine referenzgesättigte Zeile, gesungen im Falsett im wunderbaren »Bonnie«. Das ist Diskurspop in eindeutiger Mehrdeutigkeit, über dessen Lesart man am Tresen nächtelang sinnieren könnte. Politische Interpretation geht auch, muss aber nicht sein. In »Das Wasser Am See« jubiliert erstmals eine Pedal-Steel, die einen nach Nashville beamt, von wo aus man fast schon bis zu Albert Ayler auf der Brücke sehen kann. »BMMM«, das den Canetti schon im Titel hofiert, gibt großzügig Futter für Herz und Verstand, und lässt die Sohle dabei kaum abkühlen. Was will man mehr? Romantisch und singulär, irgendwie.

Text: Stefan Koroschetz | 06.02.2015

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