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Kofelgschroa

»Zaun« - Gutfeeling Records//Trikont

Text: Steffen Greiner | 22.01.2015

Das selbstbetitelte Debüt der existentialistischen Invented-Tradition-Groove-Kapelle Kofelgschroa aus dem Oberammergau war ein Manifest, ein steil aufragendes Bergmassiv in den popkulturellen Mittelgebirgen, selbstbewusst aufreizend bis provokant. Rotzig treibende Wahrheiten aus den inneren Provinzen, aus denen niemand entkommen kann, wenn man auch die Sprache zwischen Dada, Trost und Ätzen nicht zwangsläufig verstehen konnte. Ein Album, für das ich jederzeit eine beliebige Platte der Beatles aus meinen All Time Favorites kegeln würde, mit einem Lied, »Wäsche«, das seit 2012 für mich zu trunkenen Nächten gehört wie die Trunkenheit. Matthias, Michael, Martin, Maxi statt John, Paul, George, Ringo; Namen, so banal, dass sie vor Subversion platzen. Das zweite Album ist eine gänzlich andere Angelegenheit geworden: Die Musik erschlägt nicht, weil sie um ihr Sein längst weiß. »Zaun« ist vielmehr ein augenzwinkernder, leichtherziger Begleiter durch den Quatsch, den wir uns hier geben müssen. Das spiegelt sich in den Themen wieder, die weniger tief treffen, dafür aber eine neue, verspielte Qualität haben: Die Gespräche der Anderen in der S-Bahn, vertrocknete Blumen, wegen Regen Schule schwänzen, Zähneputzen. Das Titelstück wiederum ist vielleicht gar ein ungewöhnlicher Kommentar zum europäischen Grenzregime? Musikalisch läuft das meiste nicht mehr auf groovende Analogtechno-Polka-Tracks mit Balkan-Assoziation hinaus - die extensiven Instrumental-Passagen atmen eher Klezmer. So etwas melancholisch-fröhlich Verspieltes wie die ersten Bläsermelodien im Opener »10 Minutentakt« habe ich lange nicht gehört. Vielleicht ist »Zaun« so etwas wie die beste Platte, die Beirut nie gemacht haben, ganz sicher aber ist dieser unfassbaren Band mit ihrem Zweitwerk, das sich so ganz anders anfühlt als das Debüt, ein Stück Musik gelungen, das zum besten gehört, das 2014 zu hören war.

Text: Steffen Greiner | 22.01.2015

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