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Haino Keiji // Zeitkratzer

»Live at Jahrhunderthalle Bochum« - Karlrecords

Text: Heinrich Deisl | 16.10.2014

Die zweite Zusammenarbeit zwischen dem japanischen Stimmakrobaten und dem Berliner Ensemble: Während auf dem ersten Album, dem Titel »Electronics« (2008) entsprechend, diese noch irgendwie prägend war, steht bei dieser Live-Aufnahme nur Hainos Stimme zur Disposition. Und einziger »Trick« hier: die akustische Verstärkung der Stimme. - Karlrecords scheint sich mit Zeitkratzer einen speziellen Deal ausgemacht zu haben, denn heuer erscheinen neben dieser Platte auch die Neuauflagen von Reeds »Metal Machine Music« und die Kollaboration mit Whitehouse im formschönen 180-Gramm-Vinyl. Sammler oder zu spät Gekommene wird's freuen. - Aber zurück zu Haino. Er röhrt, ächzt, röchelt, krakeelt und singt sich durch sechs Tracks, die so bezeichnende wie gleichzeitig enigmatische Namen haben wie »Ghosts« oder »Roses«. Sofort tut sich eine wahre Bilderflut auf: ein altes japanisches Hofzeremoniell, No-Theater, Kirschblüte, Tränen, Blut und ätherische Wesen. Haino lässt also seiner Leidenschaft oder viel mehr Notwendigkeit für traditionelle japanische Gesangskultur freien Lauf. »Roses« gemahnt zusätzlich an europäische Theatertraditionen oder an Instrumentierungen für Stummfilme. Und klar kreuzen dabei ab und an Phrasierungen oder freie Improvisation aus dem großen Fundus experimenteller Musik den Weg. Siehe etwa den ersten Teil von »Wet Edge«, bei dem Haino auf dämonischer Punk-Schreihals macht. Im weiteren Verlauf entwickelt sich diese Nummer zur Noise-Orgie, die aus infernalen Gefilden herüberweht. Mir gefällt besonders das Stück »Smashine«: ein stoisch durchgezogener Rhythmus, als wäre eine Drummachine am Hohldrehen, das Ensemble überlärmt sich gegenseitig auf x Ebenen, ein energetisches Furioso. Als hätte ein Track von JG Thirlwell aka Foetus aus dessen Frühzeit dafür Pate gestanden. In ihren zahlreichen Kollaborationen lassen Zeitkratzer oft ein imaginäres Bild des gefeatureten Künstlers entstehen. Müsste ich jemandem erklären, wer oder was Keiji Haino ist, würde ich dieser Person mittlerweile einfach »Live« vorspielen. Man könnte also auch sagen: eine musikalische Ehrerbietung. Hier haben sich zwei Ebenbürtige gefunden. Eine Platte, die uns mit rasiermesserscharfer Präzision durch so ziemlich alle Zustände des Bewusstseins treibt. Bis zum Schluss. Eine emotional dichte, poetische Tour de force.


Text: Heinrich Deisl | 16.10.2014

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