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Razen

»Remote Hologram« - Kraak

Text: Holger Adam | 31.10.2014

Razen sind ein belgisches Duo bestehend aus Kim Delcour und Brecht Ameel. Ihre Einflüsse beziehen die Musiker vorwiegend aus zwei musikalischen Traditionen. Zum einen erinnern die langsam sich entfaltenden Kompositionen an die Tradition des Deep Listenings (an Pauline Oliveros und Phill Niblock und andere zeitgenössische Komponist_innen vermeintlich mikrotonaler Musik). Zum minimalen und meditativen Charakter der Instrumentalstücke tritt jedoch ein mystisches und beinahe altertümlich zu nennendes Moment hinzu. Die Musik klingt zeitweise wie aus einer tief verschütteten Vergangenheit herübergeweht. Ein Eindruck, der nicht zuletzt durch die überwiegende Verwendung akustischer Instrumente entsteht. Darin erinnern Razen vor allem an Psychic TV und deren »Themes«-Alben aus den 1980er Jahren. Die spirituell aufgeladenen Experimente von Genesis P-Orridge & Co. orientierten sich seinerzeit zum Beispiel an der Musik buddhistischer Mönche und anderen Klängen, wie sie in rituellen Kontexten fabriziert werden - und auch »Remote Hologram« gleicht seiner Ausführung nach eher einem Exerzitium und hat mit Popmusik nicht viel zu tun. Dieses ritualistische Moment ist das prägende Element in der Musik von Razen. Versenkung, innere Einkehr, Wiederholung, das sind die Stichworte, die hier greifen. Doch spätestens seit Brian Jones die »Pipes of Pan at Joujouka« präsentierte besteht der Dialog zwischen sozusagen »weltlich« orientierter Pop- und »nicht-so-weltlicher« anderer Musik, besteht die Faszination für Musik, die nicht nur unterhalten kann und will, sondern eine Beziehung zu etwas anderem unterhält. So weit, so kryptisch. Aber auch so weit, so gut. »Remote Hologram« ist ein beeindruckendes Doppelalbum voller lang anhaltender Töne und nachhallender Klänge, dem sich nicht verschließen sollte, wer für all jene musikalischen Grenzgänger_innen ein offenes Ohr hat, die seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf dem schmalen Grad zwischen Spiritualität und Avantgarde balancieren: ausgehend von La Monte Young, Terry Riley und der bereits genannten Pauline Oliveros über Peter Michael Hamel oder auch dem Hilliard Ensemble bis hin zu Bands wie Pelt, die 2012 mit »Effigy« ein Album vorgelegt haben, dass als akustischer Zwilling von »Remote Hologram« gelten kann. Über die Aktualität dieses Balanceaktes kann sich darüber hinaus einen Eindruck verschaffen, wer das »Eastern Daze«-Festival am 15.11.2014 im belgischen Gent besucht: Dort spielen Razen mit Pelt, den Master Musicians of Jajouka und weiteren Acts um ihre armen Seelen wer weiß wovor zu retten. Empfehlung.


Text: Holger Adam | 31.10.2014

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