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Atoms For Peace

»Amok« - Beggars Group//XL

Text: Simon Olipitz | 19.04.2013

Entgegen der medial gerne verwendeten Bezeichnung »Supergroup« sind Atoms For Peace eher Thom Yorkes »Mensch-Maschine«. Im Reaktor des Radiohead-Frontmanns oszilliert die analog-digitale Kernschmelze seit dem Meisterwerk »Kid A« (mal besser wie schlechter) zwischen »halb Wesen und halb Überding« (wie es in Kraftwerks »Die Mensch-Maschine« ja heißt). »Amok« ist jedenfalls ein weiteres Kapitel Yorke'scher Atomphysik zwischen wummernden Beatspielereien und fragilem Schwanengesang, dessen analoges, menschliches Fundament auf das Handwerk von Michael »Flea« Balzary (Bass/Red Hot Chili Peppers), Joey Waronker (Drums/Beck, R.E.M) und Mauro Refosco (Percussion/Forro In The Dark, u. a.) zurückgreift. Die Maschinen unter der Obhut von Yorke und Radiohead-Langzeitproduzent Nigel Godrich sind es dann, die diese Aufnahmen zwischen Afrobeat- und Krautrock-Avancen digital sezieren und anschließend wieder neu zusammensetzen, so dass sich unterkühlte Sounds gegen allzu melodische Zwänge gängiger Songstrukturen wehren. Eine spinnerte Detailverliebtheit, die anfangs sperrig bis verschlossen wirkt und in ihrer Abstraktion ein gewisses Mindestmaß an Beschäftigung verlangt, bevor der hypnotische Sog der Platte einen (samt Haut, Haaren und Maschinen) verschlingt. Mit dem Rücken zur Rockmusik, ist der Weg zum Dancefloor hörbar näher als noch auf Yorke's Solodebüt »The Eraser« (2006) der Fall. In Sachen elektronischer Relokationen dürften sich Yorke & Co. bei Flying Lotus, Burial oder Four Tet umgesehen haben (die wiederum alle gerne auf Yorke's Vocals zurückgreifen). Apropos Gesang: In gewohnter Höhe, bewegt sich seine Stimme auch inhaltlich wenig überraschend zwischen Selbstzweifeln und Doppeldeutigkeiten. »The will is strong, but the flesh is weak«, heißt es im Stück »Default«. Doch ebendieses »flesh« ist in Anbetracht der Maschinen ja ohnehin zweitrangig, oder?


Text: Simon Olipitz | 19.04.2013

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