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Generation »unterlebensgroß«

Text: Elisabeth Mittendorfer | 09.02.2012
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Nie im richtigen Leben angekommen und keinen Erwartungen genügend - vor allem nicht den eigenen. Das Porträt einer Generation. 

Laura, die Freundin des anonymen Ich-Erzählers, verlässt ihn. Eigentlich nur für 23 Tage. Die verbringt sie in London, der Stadt ihres Lebens vor ihm, bei ihrer Liebe vor ihm. Obwohl der Protagonist weiß, dass Laura nach 23 Tagen wieder zurückkommen wird, ahnt er bereits am Flughafen, dass sie nicht mehr bei ihm ankommen wird.

Unmittelbar überfällt ihn das Gefühl der Einsamkeit. Ohne Laura weiß er nichts mit sich anzufangen und seine Sehnsucht nach ihr entwickelt sich zur rasenden Eifersucht. Immer wieder malt sich der Erzähler aus, was Laura wohl in London treibt und vor allem mit wem. Denn dort wohnt sie auf einem Themsehausboot bei Brad, dem zweiten großen Mann in ihrem Leben. Von seinem Kummer überwältigt, macht sich der Eifersüchtige von seinem Dorf in der Eifel auf den Weg nach Berlin. Doch auch dort hält ihn nichts lange und nach einer durchzechten Nacht fährt er in betrunkenem Zustand bis Belgien. Er beschließt nach England überzusetzen, um Laura aufzusuchen. Er findet sie tatsächlich, beobachtet sie und fährt ohne mit ihr gesprochen zu haben wieder zurück ins heimische Eifeldorf. Wie es mit der namenlosen Hauptfigur und Laura weitergeht, erfährt der Leser nicht. Klar ist, dass die Liebe zwischen ihnen verloren ist.

Die Geschichte der gescheiterten Beziehung der beiden ist jedoch nur die Rahmenhandlung für eine weiterführende Ebene in Martin Mandlers Debütroman »23 Tage«. Der namenlose junge Mann, der sich selbst nicht liebt und der immer das Gefühl hat, seinen eigenen Erwartungen nicht gerecht werden zu können, sich selbst und allen anderen nicht zu genügen und der sich immer viel zu klein für diese Welt fühlt, steht bei Mandler für eine ganze Generation. Er bezeichnet sie als »unterlebensgroß«. Es ist das Psychogramm einer Generation, die ständig von dem Gefühl verfolgt wird, nie im richtigen Leben angekommen zu sein. Dem Leben, das man sich in den Sturm und Drang Jahren so schön ausgemalt hat, das einem prophezeit wurde, aber doch nie Realität geworden ist. Mandler beschreibt anhand seines anonymen Antihelden die Welt von Menschen, in denen zwischen Langeweile und Apathie immer wieder der Wunsch nach einem aufregenderen und größeren Leben aufbegehrt. Dieser wird jedoch zugleich im Keim erstickt und ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken die eigenen Privatangelegenheiten, die den Einzelnen im Angesicht von weltbewegenden Ereignissen noch nichtiger und kleiner erscheinen lassen. Die Generation Unterlebensgroß ist gelähmt, unfähig zu handeln und erträgt passiv und mit Anstand ihr eigenes Schicksal.

Martin Mandler: »23 Tage«, Luftschacht: Wien 2011, 144 Seiten, EUR 19,-


Text: Elisabeth Mittendorfer | 09.02.2012

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