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Brilliante Mutationen

Text: Raffaela Rogy | 18.01.2012
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Die 12-teilige Kult-Graphic Novel »Black Hole« von Charles Burns in der neuen Gesamtausgabe von Reprodukt. Eine Rezension von Raffaela Rogy. 

Es ist so weit: Der zwölfteilige Kultcomic »Black Hole«, an dem Autor Charles Burns von 1993 bis 2004 arbeitete, ist nun als einbändige Gesamtausgabe erschienen. Die Graphic Novel spielt in Seattle Mitte der 1970er Jahre und erzählt aus vier Erzählerperspektiven von der Geschichte eines Teenagervirus, der ungeahnte Mutationen an den Körpern hervorruft und manche der Erkrankten sogar zu Monstern werden lässt. Allerdings hinterlässt die »Teenager-Pest« oder »der Bazillus« nicht nur Spuren an den Körpern der Jugendlichen, ebenso leidet das Seelenleben der Infizierten, das einerseits mit Außenseitertum und fehlender Akzeptanz der Außenwelt reichlich genährt, andererseits mit Alkohol und Drogen betäubt wird. Zudem zieht sich ein äußerst freudianischer Aspekt wie ein roter Faden durch die Comicserie: Die Träume und deren Symbolhaftigkeit sind von großer Bedeutung für die Protagonisten und tragen zur Weiterentwicklung des Geschichtsverlaufs entscheidend bei. Die Metapher des titelgebenden schwarzen Lochs findet durchgehenden Anklang, sei es das anfängliche Bild des sezierten Frosches oder in den verschiedensten Üffnungen, der durch den Virus deformierten Körper der Betroffenen. In den zwölf Geschichten, die nicht zuletzt durch Zeitsprünge gekennzeichnet sind, wird sowohl der problematische Umgang mit der Seuche skizziert als auch der Schwellenstatus Teenager, der sich durch das herannahende Erwachsenwerden, erste Erfahrungen mit Sexualität und dem damit verbundenen Gefühlschaos auszeichnet. Es sind gerade die praktisch ungreifbaren Gefühle, die Burns mit jedem Zeichenstrich (ohne der Verwendung bunter Farben) in den Gesichtern und in der Gesamtgestaltung der Charaktere detailgenau herausarbeitet und textlich mit spitzer Feder erfasst, welche dieses gesellschaftskritische Werk zu etwas Außergewöhnlichen zu machen. Die dominante schwarze Farbe unterstreicht den Horror in »Black Hole«, sowie ein aufkommendes Gefühl von Trauer und Bedrücktheit, das mit jedem Bild mitschwingt und trotzdem zum längeren Verweilen auf den Seiten einlädt.

Charles Burns: »Black Hole«, Berlin: Reprodukt 2011, 368 Seiten, EUR 24,70


Text: Raffaela Rogy | 18.01.2012

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