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Albert Ayler

»Love Cry«/»The Last Album« - Impulse//Universal//Verve

Text: Alfred Pranzl | 20.09.2011

Der aus Ohio stammende Saxophonist/Sänger/Komponist sagte, John Coltrane sei der Vater des spirituellen freien Jazz, Pharoah Sanders der Sohn und er selbst der Heilige Geist. Da ist viel dran. Gemeinsam hat diese Dreifaltigkeit das Innehalten als musikalische Meditation über universelle Gedanken und das ?ben auf dem Saxophon auf steter Suche nach neuen Soundterritorien. Das Mundstück war  näher als politisches Engagement, ging es doch hauptsächlich um die Revolution im Jazz. Albert Ayler wurde nach Coltranes Tod 1967 als legitimer Nachfolger gehandelt und »Love Cry« aus dem selben Jahr hat genau dieses Hochgefühl und jene Abgeklärtheit die Coltranes Werk auszeichnete. Albert Aylers getragene trauervolle Vokalisen knüpften an »A Love Supreme« an und waren doch von anderer Natur. Sein afrikanischer Zungenschlag auf  »Universal Indians« klingt universell wie seine Musik, die immer schon aus dem Fundus der Marching Bands aus New Orleans schöpfte. Ein weiter Referenzrahmen, der das Einbinden von Volksmusik-Tunes, leidenschaftlich gespielten Soli und freies Improvisieren ermöglicht - besonders schön anzuhören, wenn Call Cobbs seine Harpsichord über dem sonoren, lieblichen Ton der Ayler-Brüder ausfransen lässt. »Das letzte Album« (noch vor Aylers Tod im November 1970 veröffentlicht) birgt dem Aufnahmedatum August 1969 Entsprechendes: Zwar beginnt ein verheißungsvolles, Hendrix-inspiriertes Duett mit Ayler am Dudelsack und Canned-Heat-Gitarrist Henry Vestine, doch Blues-Rock-Hadern wie »Toiling« sind nicht ganz das Wahre. Und doch überwiegen magische Stücke. »Desert Blood« hat dieses ausufernd Galaktische, Jenseitige (der Gesang von Mary Maria erinnert sehr an Sun Ras Vokalistinnen), doch auch Bodenständiges, frei Assoziierendes vom Trommel- und Bassgeflecht. »Birth Of Mirth« hat dann endlich diese absolute Selbstentäußerung. Aylers Tenorsax rast und röhrt, das Rhythmusgespann oszilliert in freie Bahnen, und Bobby Fews Finger perlen über die Klaviertasten. Getragener kommt man in »Water Music« zum Ende. Rückblickend betrachtet, ein fröhlich-feierlicher Schwanengesang auf eine Ära, die nichts an Reiz verloren hat. Ein Vermächtnis!

Text: Alfred Pranzl | 20.09.2011

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