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Various Artists

Semper et ubique ~ Bossa Nova - Soul Jazz//Trost

Text: Hans Grausgruber | 08.08.2011

Es gibt nicht allzu viele globale Musikstile und Rhythmen, die sich in die genetischen Codes der populären westlichen Musikgeschichte eingeschrieben haben. Letztlich sind es wohl nur zwei, drei Dutzend, die, wie auch Reggae oder die kubanische Rumba, weltweit aufgegriffen wurden. Mit der Bossa Nova schrieb sich zu Anfang der sechziger Jahre ein brasilianischer Musikstil so nachhaltig in die Geschichte der populären Musik ein, dass er bis heute immer wieder auch in Songs anderer Musikformen anklingt - und sei es bloß als Haltung, quasi Lebensphilosophie. Stile entstehen nicht aus dem Nichts, sie wurzeln in anderen Rhythmen und Formen. Im Fall der Bossa vor allem in der Samba. Das zeigt sich auch bei einigen Songs dieser beiden essenziellen Compilations, die Soul Jazz (Vertrieb Trost) nun herausgebracht hat und die die Anfänge, Entwicklung und Ausbreitung der Bossa Nova umreißen - soweit dies auf einer Doppel- und einer Einfach-CD mit insgesamt 57 Songs (und 126 liebevoll gestalteten Booklet-Seiten) überhaupt möglich ist.

Nach dem Soul-Jazz-Prachtband »Bossa Nova Original Cover Art«, der sich der Cover-/Kunst der Bossa-Nova-Epoche im politischen und kunstgeschichtlichen Kontext verschrieben hatte (und in skug #85 rezensiert wurde), kam zunächst die Doppel-CD »Bossa Nova And The Rise Of Brazilian Music In The 1960s« (kompiliert von Gilles Peterson und Stuart Baker) heraus, die einen zeitlich (1958 bis 1970) und stilistisch breiten Zugang pflegt und auch endlich eine Compilation ist, die von den sehr kommerziellen und gelegentlich kitschigen Songs der überwiegenden Mehrzahl früherer Best-of-Alben Abstand nimmt. Der weite Bogen der Zugänge spannt sich von stark der Samba oder Nordestino-Rhythmen wie Forro verpflichteten Songs (wie jene von Eis Regina, Jorge Ben oder Gilberto Gil) über Jazz (wieder Elis Regina, das Tamba Trio) bis zu Bossa pur (wie bei Joao Gilberto), soweit »pur« möglich ist, denn die Bossa Nova ist so offen und durchlässig wie kaum ein zweiter Stil.

bn3.jpgUnd schließlich kam kürzlich noch die CD »Brazil Bossa Beat - Bossa Nova And The Story Of Elenco Records, Brazil« heraus, die die Geschichte von Aloisyo de Oliveras' Label »Elenco« illustriert, ein Label, das für die Bossa Nova mindestens so wichtig war wie Studio One für Reggae. Olivera gründete es im Jahr 1963, als die großen internationalen Plattenfirmen in Brasilien, v. a. Odeon und Philips, das Interesse an der Bossa zu verlieren begannen - und so beinahe den Stil vorzeitig begraben hätten. Olivera, einem früheren musikalischen Begleiter von Carmen Miranda und Bossa-Involvierten der ersten Stunden, gelang nicht nur das Kunststück, viele der besten Musiker bei der Stange zu halten, sondern auch den Fotografen Chico Pereira und den Grafiker Cesar Villela zu gewinnen, die Album-Covers schufen, die schließlich auch von den Majors imitiert wurden. Aus der finanziellen Not geboren, waren sie - wie auch die Musik - sparsam und essenziell. Leider wurde auch zumeist darauf verzichtet, die beteiligten Musiker und Tontechniker zu protokollieren. Olivera gelang es, sein Label unter finanziellem Dauerstress bis 1970 durchzubringen. Ein Glücksfall.

Man kann nur hoffen, dass das Publikum den Liebesdienst, den Soul Jazz mit seinen CDs, den aufwändigen Booklets und dem Buch mit den klassischen Covers geleistet hat, auch dementsprechend honorieren wird. Das Buch von Ruy Castro »Bossa Nova. The Story Of The Brazilian Beat That Seduced The World« (auf Deutsch vergriffen) ist übrigens die bestmögliche Lektüre zum Thema.


Text: Hans Grausgruber | 08.08.2011

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