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Im Dunkeln ist gut funkeln

Text: Michael-Franz Woels | 18.03.2011
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Claudio Farkasch, Xenia Dürr, Stefan Burghart

Bereits zum fünften Mal zieht das Visualisierungs-Festival sound:frame (25. 3.-10. 4. 2011) licht- und bewegungshungrige Menschen in seinen Bann. Anlass für ein Interview mit Kuratorin Eva Fischer.

foto: sound:frame Festival, 16 April 2010, Partystraßenbahn.
credits: Claudio Farkasch, Xenia Dürr, Stefan Burghart


Nach den Themenschwerpunkten Evolution Remixed! und dimensions in den Vorjahren wird heuer der Aspekt der perFORMance beleuchtet. Die historische Genese von Visual Music, also visualisierter Musik, lässt sich über die Anfänge der Computerkunst, des Expanded Cinemas und der Light-, Laser- und Multimedia-Shows der Psychedelic Art rekonstruieren. Die innovative Lichtkunst-Metropole Wien kann seit den 1990er Jahren mit den HauptakteurInnen Fritz Fitze, Julia Zdarsky, El Geko und Pepi Üttl eine autochthone Tradition der Visualisierungskunst vorweisen. Die Initiatorin und Kuratorin Eva Fischer erläutert in ihrem neu bezogenen sound:frame-Büro das heurige Thema perFORMance, aktuelle Trends und Entwicklungen in der audiovisuellen Kunst.

Wie kam es zu deinem starken Interesse an audiovisueller Kunst?

Eva Fischer: Ich habe seit meiner Gymnasiumszeit Musik gemacht, zehn Jahre Klavier gespielt und später auch privat Jazzgesangunterricht genommen bei Ines Reiger. In Graz habe ich dann begonnen, Kunstgeschichte zu studieren. ?ber meine theoretische Auseinandersetzung mit der Kunstgruppe Der Blaue Reiter, im speziellen mit dem russischen Maler und Kunsttheoretiker Wassily Kandinsky, und das Kennenlernen der Grazer Club-Szene wurde das Interesse an visuellen Kunstformen geweckt. Die Verbindung von aktivem Musikmachen und Live-Visuals hat mich sehr interessiert. In Holland habe ich 2004 die ersten großen Symposien und VJ-Contests besucht, und wollte dann auch meine Diplomarbeit diesem Thema widmen. Ich habe 2005 in diesem Rahmen das Ausstellungskonzept sound:frame entwickelt. Nachdem ich in Wien ein Praktikum im Künstlerhaus absolviert hatte, wurde ich von Peter Bogner eingeladen, eine kleine Ausstellung im Künstlerhaus zu kuratieren. Am Anfang stand die Idee einer Ausstellung mit Rahmenprogramm auf 100 qm. 2008 gab es dann aufgrund des erfolgreichen Starts im Vorjahr schon eine Hauptausstellung auf 700 qm und im darauffolgenden Jahr konnten 1500 qm bespielt werden. sound:frame dauert aufgrund des Ausstellungs-Konzeptes so lange, auch jetzt, im fünften Jahr, geht das Programm von perFORMance über drei Wochenenden.

perFORMance ist das heurige Thema, wie kam es zur Auswahl dieses Titels?

Es geht dabei in zwei Richtungen: das Wort FORM ist ja hervorgehoben und bezieht sich auf das Thema des Vorjahres Dimensions. Letztes Jahr ging es sehr stark um räumliche Formen und Strukturen, um die Auseinandersetzung mit dem Raum und mit geometrischen Formen an sich. Zurzeit ist in der Visualisierung die Technologie des so genannten Mappings stark im Kommen. Die Projektionen gehen von dem klassischen 4:3 und 16:9 Format weg und werden auf dreidimensionale Formen »gestülpt«. Das Beamer-Bild wird über die Formen gelegt und entzerrt. Die Entwicklung von sound:frame zeigt, dass am Anfang die Audiovision im Sinne der DJ/VJ-Performance im Vordergrund gestanden hat und im Laufe der Jahre weitere Kunstsparten wie Architektur, Design, Tanz und künstlerische Live-Performances dazukamen. Eine weitere Technologie, die immer beliebter wird, ist das Tracking. Bewegungen werden beispielsweise durch (Infra-Rot-)Kameras aufgezeichnet (getrackt) und steuern die Visuals an. Da hat sich in den letzten Jahren, was die Entwicklung von digitalen, generativen Technologien und visuellen Zugängen betrifft, einiges getan. Ursprünglich wurde beim VJing, beim klassischen Video-Mixing, mit kurzen, vorproduzierten Video- und Filmclips gearbeitet, die während der Live-Performance zur Musik gemixt wurden. Der Trend geht nun parallel dazu in Richtung rein digitaler, generativer Verbindungen. Das führt mich wieder zum heurigen Thema: Ich finde die Frage spannend, wie die unterschiedlichen technologischen Zugänge auf der einen Seite die körperliche Performance der VisualistInnen, der KünstlerInnen verändern. Wenn du video-mixt performst du anders als jemand, der mit digitaler, generativer Software programmiert. Dann gibt es viele Artists, die aus der Street-Art kommen und mittels Live-Tagging und Live-Writing Visuals generieren, was wiederum einen anderen körperlichen Einsatz bedeutet. Oder das angesprochene Tracking, im Zuge dessen BesucherInnen interaktiv die Visuals beeinflussen können. Auf der anderen Seite ist die Frage, inwiefern diese unterschiedlichen performativen Ausdrucksformen der unterschiedlichen Visual-Communities den Inhalt der Visuals verändern, heuer sehr wichtig und wird die Diskussionen auf der Konferenz prägen.

Unsere Hauptperformance »Atom« von Robert Henke und Christopher Bauder am 8. April in der Rinderhalle Neu Marx hat mit klassischen Visuals im Prinzip nur wenig zu tun: Eine Matrix aus 8 x 8 Luftballons mit LEDs wird über die Software Ableton Live einzeln angesteuert. Ein anderes spezielles Beispiel für das diesjährige Thema stellt eine akrobatische, körperliche Performance am zweiten Eröffnungstag dar, die in Form der Interaktion von Musik und Visuals mit einer Gruppe von Freerunnern und ihren Obstacles, auf welche Bewegt-Bilder gemappt werden, darstellen.

Wie sieht deine generelle Auslegung des Begriffes Performances aus?

Mich interessiert ja nicht nur die Live-Performance, sondern auch die installative Ausformung, also der Prozess und der Kontext, in dem eine Visual-Performance oder Installation stattfindet. Die Form und der Inhalt einer Visualisierung sind ja abhängig davon, ob sie im öffentlichen Raum, in einem Ausstellungsraum, im Theater oder bei einem Konzert eingesetzt werden. Ist der Computer, der einen vorgegebenen Algorithmus ausführt, ein Performer? Was macht den kreativen Teil der Arbeit der Künstlerin aus, und wo lässt man dem Computer einen gewissen performativen »Freiraum«?

Was fällt dir zum Stichwort Komposition ein?

Es wird beim heurigen sound:frame auch sehr viel um das Thema der Dokumentationsmöglichkeiten von audiovisuellen Live-Performances gehen. In der (Neuen) Musik gibt es eigens geschaffene Notationsformen. So etwas existiert zur Zeit für die elektronische Musik oder für Visuals noch nicht. Es gibt keine Notenblätter, durch die die Komposition einer Visualisierung genau aufgeschlüsselt werden und dadurch reproduzierbar wären. Die Reproduktion steht nicht im Vordergrund, denn bei der Performance geht es ohnehin um die Einzigartigkeit im Hier und Jetzt. Auf der anderen Seite könnte eine Art der Gesamtdokumentation für den Künstler/die Künstlerin jedoch wichtig oder hilfreich sein, um den Ablauf seiner/ihrer Visuals analysieren zu können und daraus für weitere Auftritte zu lernen.

Wie steht?s um deine subjektive Raumwahrnehmung als Künstlerin?

Ich denk? schon, dass meine Raumwahrnehmung durch die dauernde Beschäftigung mit Visuals geschärft bzw. sensibilisiert wurde. In Berlin gibt es mittlerweile in ganz wenigen Clubs Live-Visuals. Dafür ist jeder Club dort durchinszeniert, vom Entrance bis zum Klo. In Wien ist das äußerst selten der Fall und womöglich auch der Grund dafür, dass Live-Visuals zur Gestaltung von Veranstaltungsräumen hier so wichtig sind. In der Rolle als Visualistin mache ich mir natürlich auch, sobald ich einen Raum betrete, Gedanken, wie man ihn visualisieren könnte.


Text: Michael-Franz Woels | 18.03.2011

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