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Galerie Georg Kargl: Mark Dion – The Tar Museum

Text: Alexander Lass | 09.01.2007
Natur und Gegenstand – Mahnmale für den handelnden Menschen?

Wenn Mensch die Objekte des Amerikaners Mark Dion sieht, sieht Mensch Normalität. Normalität für den Menschen ist die Beherrschung von Natur und Gegenständlichem. Gerade diese klassische Rollenverteilung zwischen Natur, Tier und Mensch ist seit mehr als 20 Jahren Grundlage und Antrieb für Mark Dions künstlerisches Schaffen.
Dion versteht es wie kein anderer diese scheinbare Symbiose von Umwelt und handelndem Menschen in Diskurs zu bringen und Wahrnehmungen zu verschieben. Er bewegt Menschen, sich mit ihrem Menschsein auseinander zu setzten, sich damit zu beschäftigen, selbst in der Zukunft Objekt zu werden.
Dions Lieblingshilfsmittel für seine Botschaft ist der Schrank. In seiner von ihm verfassten Encyclomania schreibt er über seinen stillen Weggefährten: »Der Schrank ist ein ambivalentes Möbel. Er kann Dinge kaum sichtbar machen und vorführen. Ein Schrank gibt den in ihm aufzubewahrenden Objekten einen Rahmen, gewährt Schutz und Ordnung und überlässt sie doch im Inneren sich selbst. Schrank, Kasten und Truhe bilden das Triumvirat der schützenden, bewahrenden Behältnisse. Die Ausstellungsobjekte sind eine Herausforderung mit der natürlichen Geschichte unserer Erde mit all beteiligten Protagonisten.«
Dion möchte verwirren, entsetzen und Augenblicke konservieren und so dem Menschen einen Blick in seine Zukunft gewähren – Gegenstand zu sein, wie einst Natur zum Gegenstand wurde.
In Anbetracht der aktuellen Häufigkeit und Heftigkeit von Umweltkatastrophen als Folge des Umgangs des Menschen mit der Welt wird Mensch schon im Eingang der Galerie Kargl mit einem geteerten Gerippe eines Tieres konfrontiert. In der Ausstellung The Tar Museum wird Mensch auf beeindruckende und intensive Weise die Vergegenständlichung von Natur und Tier vor Augen geführt.
Die Ausstellung führt den Menschen vom – für jeden persönlich ziemlich weit entfernten – geteerten Eiszeit-Höhlenbär, über – für jeden persönlich einen Bezug herstellende – geteerte Hunde, Katzen und Enten zur »Little Show of Horror« – schwarz geteerten menschlichen Skeletten.
Dion zeigt dem Menschen mit sicherer Hand die Evolutionsgeschichte menschlichen Scheiterns auf – bis zum provokativen Höhepunkt. Der Mensch ist sein eigenes Objekt geworden, geteert, tot und Ausstellungsstück in einem Schrank in einer Galerie.

Noch bis 11.1.2007
>> www.georgkargl.com


Text: Alexander Lass | 09.01.2007

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