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Hans Schabus: Das letzte Land - Hinter dem Gipfel geht's bergab

Text: Andrea Winklbauer | 23.09.2005
Raum aufbrechen und damit Institutionen unterwandern - das kennt man von Hans Schabus mittlerweile. 2003 war es die Wiener Secession, vergangenen Winter das Kunsthaus Bregenz. Derzeit geschieht es mit dem österreichischen Pavillon auf dem Biennale-Gelände von Venedig.

Der Pavillon ist tatsächlich nicht wiederzuerkennen. Wo man ihn erwartet hätte, steht ein graues Gebilde, so etwas wie ein Berg, den Schabus in das 1934 errichtete Josef Hoffmann-Bauwerk hinein und darum herum errichtet hat. »Das letzte Land« heißt die Arbeit in Anspielung auf den entlegenen Standort des Österreich-Pavillons am äußersten Ende der Giardini.

Geschickt spielt Hans Schabus mit dem Klischee, das Österreich anhaftet: Das Land der Berge! Fängt doch schon die Bundeshymne damit an. Die Architektur verwandelte er in eine Skulptur, die zudem über hölzerne Gerüste in ihrem Inneren begehbar ist. Dort gibt es einen kleinen Raum mit der Dokumentation der Annäherung des Künstlers von Norden her an Venedig. Kleine, lustige Guckfensterchen erlauben es, ins umliegende Land »eini zu schau'n«. Der Österreich-Pavillon übernimmt seine Funktion als Repräsentanz eines Landes dieses Jahr doppelt: per definitionem und per Identifikation mit einem seiner Symbole.

Doch dieses Symbol bedeutet mehr, als dem Schabus lieb ist. Ursprünglichkeit und Reinheit stehen auf der einen Seite der Skala, ideologische Abgründe auf der anderen. Das Land der Berge beharrt auf einer Unschuld, die es vor Dezennien verloren hat. Vieles ist noch immer faul in unserem schönen Alpenstaat, aber Schabus' Art ist es nicht, das zu thematisieren. Stattdessen handelt seine Arbeit auch im doppelten Jubiläumsjahr 2005 bloß von der Verortung des Österreich-Pavillons im Raum und in der Geschichte. Wohl hat Schabus Form aufgehäuft und Raum aufgebrochen, aber wo hat er hinein gestochen, was damit offen gelegt? Ist die Institution, die dabei umgegraben wurde, denn tatsächlich interessant genug? Die andere, größere, so unübersehbar zu zitieren, ohne in ihr herumzuwühlen, führt an einem sehr viel relevanteren Ziel vorbei.

Biennale von Venedig
Österreichischer Pavillon, Giardini
Bis 6. November 2005
www.labiennale.org


Text: Andrea Winklbauer | 23.09.2005

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