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Lambchop

Text: David Krispel, Gerhard Stöger | 17.03.2004
Tja Freunde, das Wiener Konzert ist ausverkauft. Ich geh' auch nicht hin. Habe Lambchop schon oft genug gesehen. Die sind immer so genial, dass es manchmal zuviel wird. Diesmal mit Streicherschmiere, die Saiten Eurer Ohrenharfe werden entzückt sein.

Kurt Wagner setzt ein Kapperl auf und raucht sich eine Zigarette an, Mike Newers verschwindet irgendwo im Hintergrund und feilt seine Gitarre, der alte Exzentriker! Alle sind selig. Viel Instrumentales, das meiste aus den neuen beiden, großen, Platten. Auch mal was Abenteuerliches zwischendurch, bitte keine Bedenken, wir sind doch alle auch ein bisschen Punk, oder war das gerade ....
Aber wir sind ja hier nicht auf einem Konzert, sondern lesen diesen punktlosen Rant auf einem Bildschirm. Die Platten heißen Ach, komm schon und Nein, jetzt pass aber du mal auf und streiten sich noch immer um das richtige Marketing. Eigentlich haben sie schon resigniert und sind jetzt irgendwie heraußen. Auch egal, wer braucht schon gottverdammte Kunst in diesem Geschäft? Iss deine Zwiebel-Makake und gib auf!
Kurt und William waren jedenfalls auf Werbungstour in Wien und ließen sich von mir und Gerhard ein paar Worte abnötigen. Tolle Menschen, gerne wieder. William ist der jüngste und ein wahrer Enthusiast, der sich auch fern von floskelhafter Höflichkeit an seinem Gegenüber interessiert zeigt. Kurt ist wegen eines unguten Trips in Fäkalsprachlaune, konzentriert sich als alter Hase im aufgenommenen Teil des Gesprächs aber doch einigermaßen. Lambchop ist eine klasse Band. Geschmackvoll, komplett, freundlich und wichtig. Welche popkulturellen Fehden auf den neuen Scheiben ausgefochten werden, erklären euch andere, besser bezahlte Schreiber sicher gerne. Meine Meinung ist: Es gibt keine Black Music! Verabschiedet Euch doch alle aus Euren geschlossenen Abteilungen und entwickelt den ganz großen Plot. Sonst geht Ihr immer im Kreis. Ich hoffe, ich habe Euch geholfen, weitere Informationen gibt es unter www.johnfahey.com/reality.htm

Lambchop live: 18.3. WUK, Wien
Lambchop live: 26.4. Alter Schlachthof, Wels


Ich würde gerne mit einer allgemeinen Frage beginnen.

Kurt Wagner: Sorry, ich bin etwas abgelenkt von dem seltsamen Mikrofon, das ihr da habt...

Sollten wir: ...?

K: Nein, schon in Ordnung, das fasziniert mich immer wieder. Tut mir leid.

Es gibt eine Platte von Starsailor - »Silence Is Easy« (Lachen). Ich frage mich, ob Stille wirklich so einfach ist?

K: Das bestätigt nur meine Meinung, dass diese Typen keine Ahnung haben.

William Tyler: Sie sind auch nicht leise, zumindest nicht das, was ich von ihrer Musik gehört habe.

K: Das ist sehr hohl.

W: Silence is not golden, and it's not easy.

K: Stille könnte Gold sein, weil sie so rar und teuer ist. (Lachen)

W: Ich mag es nicht. Es ist nicht einfach.

K: Das ist einfach nur lächerlich. Bei Lambchop ist interessant, dass in den leisen Passagen manchmal am meisten passiert. Es ist schwer wahrzunehmen und etwas seltsam. Die Dynamiken auszubalancieren ist für uns als Band das schwierigste. Darum geht es: Dynamiken auszubalancieren; nicht nur leise und laut.

In eurer Musik finden sich morbide und dunkle Elemente, aber ihr habt auch eine sehr relaxte Einstellung. Ist das auch Teil der Balance?

K: Ja, das ist auch ein Teil. Es gibt da eine Vielzahl von Dingen, die innerhalb dieser Idee von Lambchop vorgehen. Die Leute, die Arten von Musik, die wir spielen. Es geht um die Balance, darum, aufmerksam zu sein und zuzuhören. Aber auch Lärm zu machen und auf deinen Nachbar zu achten. Echt philosophischer Scheiß hier. Aber es ist wahr. Ich glaube so bringt man Dinge ins Rollen in dieser Welt. Zumindest ist das meine Theorie. Ist es jetzt nicht vier Uhr? Da draußen ist eine Uhr die vier zeigt.

Auf dieser Uhr ist es immer vier.

K: Zeit für ein Bier! (Lacht).

Bei euch gibt es viel ruhige Songs, die reich an Ideen und voll ausformuliert sind. Das erinnert mich an den späten Phil Ochs: Hat er für euch eine Bedeutung?

W: Wow! Ich finde seine Sachen toll. Er machte am Schluss ein paar Platten, die ziemlich bizarr orchestriert waren, real fucked up. Er war ein Genie und einer der wenigen, der es schaffte, die Linie des reinen Protestsängers zu überschreiten. Viele Leute sehen ihn nur so.

K: Er hatte mehr in den Eiern als nur ein Folk-Sänger zu sein, soviel ist sicher.

Glaubt ihr, dass es seine musikalischen Ideen waren, oder dass viel von Produzenten gekommen ist?

K: Das ist eine gute Frage. Ich bin mir nicht sicher.

W: Ich glaube viele Leute hatten in dieser Zeit solche Ideen. Arthur Lee von Love, Tim Buckley, diese Leute. Ich glaube es war ihre Idee. Warum würde sie jemand in eine solche Richtung drängen wollen, die so bizarr ist?

K: Was nach meiner Definition einen guten Produzenten ausmacht, ist die Fähigkeit, die Ideen zu verwirklichen, die der hat, mit dem er arbeitet. Das ist eine geglückte Zusammenarbeit.

Arbeitet ihr mit einem Produzenten?

K: Ich arbeite immer mit dem selben: Mike Newers. Er ist jemand, der meine Ideen realisieren kann. Er ist genauso ein »Ideen-Mensch« wie ein Klang-Techniker. Er hat genauso viele Ideen, die einfach erstaunlich sind.

W: Und er ist in der Band, was ziemlich einzigartig ist. Er ist ein Tontechniker und ein Musiker.

K: Er kennt die Band von innen heraus.

W: Diese Formel haben viele probiert und sie funktioniert sehr selten. Für uns ist das einfach notwendig.

K: Ich schätze die Idee eines Produzenten sehr, denn es gibt da so einen großen Übergang von einer Idee in deinem Kopf zu einem Sound auf einer CD - der Scheiß, der dazwischen passiert. Ein Künstler kann nicht alles selber machen. Prince könnte das vielleicht. Ich bin nicht Prince. Ich weiß seine Philosophie zu schätzen, aber ich bin nicht als Sohn Gottes geboren oder ähnliches.

Bist du zufrieden mit den bisherigen Resultaten, deine Ideen in Musik zu verwandeln?

K: Ja. Wenn nicht, wäre ich nicht hier.

W: Bei einer so großen Band, die aus unterschiedlichen Charakteren besteht, ist es etwas anderes. In einem Kontext zu arbeiten ändert Dinge. Wir haben Diskussionen über Songpräferenzen aus unterschiedlichen Gründen, an die Kurt gar nicht gedacht hat. Die Leute haben vielleicht eine andere Vorstellung von Lambchop, aber es ist wirklich eine Band.

K: Es ist cool, über diese Dinge zu reden. Den Standpunkt des Zuhörers einzunehmen anstelle der Sicht des Schaffenden. Ich weiß, dass Bands viel Zeit damit verbringen, sich ihre Sachen anzuhören, wenn sie eine Platte machen. Um herauszufinden, worum es bei dem jeweiligen Ding wirklich geht. Bei uns ist es sehr variantenreich, vielleicht so sehr, wie bei allen Zuhörern in der Welt. Es gibt keine richtige Antwort, aber vielleicht hundert, an die ich nicht gedacht habe.

Ich habe den Eindruck, ihr transportiert das auch auf den neuen Platten. Es gibt da ein introspektives Element.

K: Das ist wahr. Ein gemeinsames Element der Songs auf diesen Platten ist, dass sie mehr nach innen fokussiert sind, als in der Vergangenheit. Früher hätte ich vielleicht auf diesen Stein da draußen geschaut, der eingeschneit wird und das als Bild in einem Song verwendet, was immer es auch bedeutet hätte. Jetzt fange ich nicht unbedingt mit dem Stein am Parkplatz an. Ich fange mit etwas an, das in meinem kleinen Herzen und Hirn passiert.

Hast du schon alle Bilder verbraucht?

K: Dude, nein! Ich habe gerade dort wieder eines gefunden. Sie sind überall, wenn du es dir erlaubst, dich von etwas beeinflussen zu lassen oder dafür offen zu sein. In meinem Fall, bewegt mich das gerade oder spricht zu mir gerade in dieser Situation jetzt. Es ist größer, es ist nicht nur ein verdammter kleiner Stein. Ich hoffe, dass es nicht bloß ein riesengroßer Haufen Scheiße ist. Ich fange schon an, sehr auf dieses Bild zu antworten.

Du hast über die Entwicklung als Songwriter gesprochen; auf musikalischer Ebene ist ja auch einiges passiert. Du hast als Lo-Fi Homerecorder angefangen und jetzt gibt es diese üppige, voll orchestrierte Musik. Wie ist das passiert?

K: Hast du ein paar Stunden Zeit? Dann könnte ich Dir alles erzählen. Ich glaube nicht, dass wir die Zeit haben. Die Kurzversion ist dort auf den neuen CDs.

W: Es gibt viele Leute in der Band. Viele kommen und gehen oder kommen und bleiben. Viele Leute in Lambchop begannen als Fans. Wir kennen uns alle, Nashville ist ziemlich klein. Es gibt da eine komische Objektivität, weil viele von uns nicht die ganze Zeit in der Band sind oder waren. I almost grew up going to Lambchop shows. Ich höre mir Sachen an, die sie vor 15 Jahren gemacht haben und denke mir: Wow, das war ja fast eine andere Band! Wie sich die Band entwickelt hat, ist nicht nur wie ein Projekt von vier, fünf Leuten. Es war eine wachsende Sache. Darum ist es so anders.

K: Und wir lassen das zu, dass es wächst und sich ändert. Die Art wie sich die Band entwickelt hat, ist einfach, dass wir es zuließen, dass Sachen passieren. Sicher haben wir während des Weges mal in die eine oder andere Richtung gedrängt, aber meistens war das durch die Bedingungen vorgegeben. Wir bewegen uns vorwärts und blicken nicht so sehr zurück.

Verglichen mit dem letzten Album »Is A Woman«, das sehr einheitlich war, sind die neuen Platten recht abwechslungsreich. Was passierte in den zwei Jahren, die diesen Unterschied hervorgebracht haben?

K: Es ist ein Weg, auf das zu blicken, was du gemacht hast und darauf zu reagieren. Es gibt Dinge, die ich auf diesen neuen Platten haben wollte: einen Sound, der vielschichtiger ist und viel mehr von dieser Band Lambchop handelt, als man vielleicht von »Is A Woman« den Eindruck bekam. Das war eher eine Reduktion des Sounds der Band. Es waren alle immer noch da, aber ich sah es als eine Übung in zurückhaltendem Hören. Das war für uns eine wichtige Sache, durch die wir durch mussten. Heute geht es um andere Dinge: Die Vielfalt der Dinge, die wir als Band machen. Es ist immer noch eine Band: die selben Leute, die grundsätzlich das selbe Zeug machen, einfach nur auf eine andere Art präsentiert.

Im Info erwähnst du, dass du zur Vorbereitung der Platte über einen längeren Zeitraum hinweg einen Song pro Tag geschrieben hast. Wie war diese Zeit?

K: Ich habe nachgedacht, wie ich meine Ideen umsetzen könnte. Ich hatte sechs Monate zur Verfügung, in denen ich nicht allzu viel in der Welt herumreisen musste. Daraus wollte ich das Maximum herausholen. Ich wollte mit neuen, unterschiedlichen Ideen kommen. Lambchop steht auch als Band für diese unterschiedlichen Dinge: die erste Platte ist ein gutes Beispiel, die in der Mitte (meint wahrscheinlich »Thriller«) ein weiteres.

Als Sänger versuchst du auf diesen Platten auch, etwas anderes zu machen. Hast du daran viel gearbeitet?

K: Ich habe gemerkt, dass sich meine Stimme verändert hat. Darauf habe ich reagiert und versucht neue Qualitäten zu finden. Es gibt auch einen zweiten Sänger - George Woods - er ist ein Gospel-Bass-Sänger, der auf sieben Nummern mitsingt. Es fällt manchmal nicht auf, aber wir haben einige Schichten seiner Stimme mit meiner zusammengemixt, und das bringt die Tiefe in meiner Stimme besser heraus. Für kurze Augenblicke hört man ihn auch allein, was ein bisschen seltsam klingt, aber dich wissen lässt, dass hier etwas passiert.

Die Streicher erscheinen mir auch mehr ins Zentrum gerückt zu sein.

K: Auf jeden Fall in den Streicher-Songs. Das war genauso eine Entscheidung des Arrangeurs wie meine. Es ist das zweite mal, das wir mit ihm gearbeitet haben. Das erste mal war bei der »Nixon«-Platte. Diesmal kannte er die Band besser, und das Resultat, das herauskommen würde. Vielleicht war er etwas selbstsicherer bei Dingen, die er probierte. Jede Zusammenarbeit entwickelt sich über die Zeit.

Ich bin kein Fan von Kategorisierungen, aber ihr werdet meistens als Country-Band bezeichnet. Ich denke bei euch oft an die Methoden oder die Produktionsweisen von Soul.

K: Das sind zwei der Dinge, die Lambchop machen. Aber wir sind variantenreicher als das, und ich denke, die Platten spiegeln das wider. Es ist nicht mehr das eine wie das andere, sondern nur eine Sache, die wir machen. Ich verstehe das Bedürfnis in den Medien eine etwas kompliziertere Idee zu simplifizieren. Es ist halt nicht das komplette Bild. Wir sind etwas komplexer als das.

W: Wir wären keine besonders gute Soul Band, wenn wir das versuchen würden.

K: oder Country-Band. Nie im Leben wären wir eine richtige Soul-Band, wir haben die falsche D N A (Lachen).

Wie kamt ihr auf die Idee, einen Curtis-Mayfield-Song zu covern?

K: Das hatte damit zu tun, dass wir zu dieser Zeit alle diese Musik sehr gerne gehört haben. Ein Typ, der in Nashville Radio machte, spielte die ganze Zeit diese Musik und es wurde Gesprächsstoff bei uns. Wir alberten dann ein bisschen damit herum und dann wurde es zu einer interessanten Herausforderung für uns zu sehen, ob wir dem überhaupt nahe kommen könnten. Während wir diesen Song coverten, fanden wir sehr viel über uns selbst heraus. Was dabei herauskam war: Wow, wir können das machen! Ich nahm es dann als Herausforderung an, mit Songs zu kommen, die diese spezielle Sache berücksichtigen. Das ist ein weiteres gutes Beispiel dafür, wie ein Cover-Song eine Türe öffnen kann.

Aber ein paar Jahre später wart ihr dann nicht plötzlich große Sisters-Of-Mercy-Fans, oder?
(zögerlich)

W: Ich glaube, du kennst den Background dieser Typen nicht so genau (lacht).

K: Ich fand sie toll. So bin ich.

W: Er hat die Platten. Es begann auch wieder mal eher so als Scherz. Wir spielten den Song ein paar mal und hörten nicht auf damit. Dann wurde er fast zu einem Lambchop-Song.

K: Das passiert oft bei uns. Oft sehen wir etwas nur als Scherz an oder denken, es sei lustig und dann bleibt es hängen. Das ist okay, aber manchmal schwer so zu erklären, dass es die Leute ernst nehmen können. Aber wir sind fun lovin??? knuckleheads, you know.

Seid ihr in dieser Nashville-Szene so etwas wie ein kleiner alternativer Planet?(Lachen)

W: Irgendwie ja. Es gibt so viele Verbindungen.

K: Wir können unser eigenes 3-Tages-Festival machen. All die mit uns verbundenen Bands, das könnte drei Tage dauern. Es wäre cool aber ein enormes Unterfangen. Vielleicht wäre es etwas zu viel. Spaß würde es schon machen, aber es würde zu viel Aufmerksamkeit auf uns lenken.

W: Und die Leute würden uns hassen! Innerhalb der Band gibt es viele kleine Nebenprojekte. Aber zu deiner Frage: Ja, es ist eine Einkapselung von vielen Dingen in Nashville, die außerhalb des Radars liegen. So abseits, dass es schon unterhalb des Undergrounds ist. Wir kommen in die Städte und bringen die CDs mit, die unsere Bandmitglieder gemacht haben und die Leute fragen: Was ist das?

K: Diese Sachen klingen möglicherweise völlig anders als Lambchop. Der Mainstream in Nashville nimmt uns überhaupt nicht wahr. Sie sagen möglicherweise, aber das ist nur ihr Versuch, cool zu klingen.

W: Nashville-Mainstream ist der Wahnsinn. Ihr kennt es vielleicht ein wenig. Es ist nicht Country. Es ist schlechter Pop, es ist Christian Music, Bad Gospel. Wenn du katastrophale Popmusik oder gute Underground-Musik machen willst, komm nach Nashville! Niemand in unserer Band muss dagegen ankämpfen, weil wir nicht existieren! Die einzige formale Verbindung ist Mark, der bei vielen Aufnahmen dabei war.

K: Wir verwenden sein Wissen. Er hat mehr Top-Ten-Hits aufgenommen, als jeder andere, den ich kenne. Es ist unglaublich, wie viel Hits er aufgenommen hat, trotzdem wird er nicht als Hit-Macher angesehen, weil er nur der Tontechniker war, der den Scheiß tatsächlich gemacht hat. Er ist nicht der Typ, der seinen Namen auf der Platte hat. Deswegen ist er in der einzigartigen Position über all dieses Wissen zu verfügen. Er ist fähig, das umzusetzen...

W: ... und besser klingende Platten für Leute zu machen, die das nicht gewohnt sind. Wirklich!

K: Aber es hatte einen hohen Preis. Das machte ihn fast verrückt. Er musste mit dieser Art von Musik aufhören.

Wir haben noch nicht über die Form der neuen Platte gesprochen, die ein Doppelalbum ist. Hattest du einfach so viele Ideen?

K: Ja. Aber wie präsentierst du sie in einer Form, die zu den Songs passt? So hatten wir diese Idee von zwei unterschiedlichen Platten, die wir gemeinsam herausbringen. Ich wollte gar nicht, dass sie gemeinsam herauskommen, nur zur selben Zeit. Es werden jetzt vorerst zwei Platten sein, die als ein Produkt herauskommen. Das ist einfach dummes Marketing-Denken, und hat nichts mit dem Konzept zu tun, das ich im Kopf hatte. Meine Idee war, zwei Platten zur selben Zeit herauszubringen: Kauf die eine oder die andere. It???s no big deal. Du kannst beide kaufen, wenn du wirklich ein großer Fan von Lambchop bist. Ich wollte niemanden zwingen, mehr Geld auszugeben. Wir hatten nur all diese Songs und es ist schön, sie zu veröffentlichen, solange wir uns noch merken können wie man sie spielt.

Die Titel der Platten legen einen Dialog nahe.

K: und unterschiedliche Meinungen.

Wer führt den Dialog?

K: Wer auch immer ihn beginnt. Awcomon, Nowyoucomon, das ist ein Ausdruck unterschiedlicher Meinungen zweier Leute. Der Awcomon-Typ beginnt den Dialog. Das wichtigste sind die Unterschiede der Meinungen: So ist das auch bei den Platten und bei den jeweiligen Songs. Es gibt da eine Vielfalt und das macht den Titel schlüssig.

Ihr verwendet gerne Namen von Leuten, die man gemeinhin nicht als große Sympathieträger ansieht wie etwa Nixon oder Steve McQueen.

K: Das ist nur die Verwendung eines Namens, der in deinem Kopf Dinge auslöst, vielleicht metaphorische oder was auch immer. Im Fall Steve McQueen ist es eine Metapher über Sterblichkeit und zu viel Rauchen. Oder darüber Rauchen zu wollen; zu dem Zeitpunkt hatte ich wieder einmal aufgehört. Es wird ziemlich kompliziert.

Rauchen beschäftigt dich also noch immer stark?

K: Es ist definitiv Teil meiner Erfahrung. Ich bin ein Süchtiger, das erzeugt einen starken Fokus. Gerade jetzt weiß ich, dass für mich das wichtigste ist, dass ich genug Zigaretten habe, um den Tag zu überstehen. Ich frage mich, ob das überhaupt möglich ist. Das macht mir ein wenig Sorgen, ehrlich gesagt.

Ein anderer Song heißt »Women help to create the man they despise« Kannst du mir etwas über die Idee zu diesem Song erzählen?

K: Das ist wieder einmal so ein Scherz-Ding. Die Idee ist ziemlich einfach: Frauen bringen Männer auf die Welt. Sie haben also etwas damit zu tun, dass diese Typen in ihren Leben unangenehm werden. Es ist ein sehr leichtherziger Song, vom Text und der Musik her. Der Song hat einen Platz auf der Platte, der wichtiger ist als der Song selbst.

Prefab Sprout hatten einmal ein Album namens Steve Mc Queen und kamen deswegen in rechtliche Schwierigkeiten mit seiner Familie.

K: Really? Oh Shit! Here we go again! Vielleicht gefällt ihnen diesmal der Song.

W: Vielleicht sollten wir auch noch einen Robert-Evans- und Ali-McGraw-Song schreiben und sie alle in einem großen Leinwand-Meisterwerk zusammenbringen. Es tut mir leid, aber ich finde Steve McQueen verdient es, dass Songs über ihn geschrieben werden.

K: Was soll es! Es gibt so viele Songs, die nach Personen benannt sind.

Danke für das Interview.

K: Gerne, danke dass ihr bei diesem Ding mitgemacht habt.

Wäre es noch möglich, draußen ein paar Fotos zu machen?

K: Um ganz ehrlich zu sein: Nein. Können wir bitte drinnen bleiben. Während der letzten 36 Stunden sind wir genug in der Kälte gestanden. Wenn du mich im Bett fotografieren möchtest - gerne! Aber lass uns nicht raus in die verdammte Kälte gehen, Dude. Ich würde mir wahrscheinlich in die Hosen scheißen, das wäre nicht so schön.

>> http://www.lambchop.net

Text: David Krispel, Gerhard Stöger | 17.03.2004

Referenzen:

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