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Django Reinhardt

Rétrospective 1934-1953 - Saga/Universal


Ist man einmal tot, gibt es für den Handel immer wieder etwas zu feiern. Fünfzig Jahre danach oder nach dem Tod des Zigeuner-Genies, so lautet diesmal das wichtigste Sommerthema. Und bestimmt wird man noch einige andere Ideen hervorkramen, um noch mehr Alben zu verkaufen. In diesem Fall muss ich jedoch anmerken, dass unter den Labels ein derartig heftiger Wettbewerb einsetzte, dass von Django Reinhardt vermutlich mehr und qualitativ bessere Aufnahmen auf dem Markt sind als je zuvor. Von den Hunderten erhältlichen Boxen und Sammlungen würde ich mich jedenfalls für diese entscheiden. Hier ist alles durchdacht und gut aufbereitet, mehr oder weniger bekannt, ausführlich dokumentiert und auf eine Weise präsentiert, dass Sie endlich in die musikalische Welt eines der außergewöhnlichsten Genies des letzten Jahrhunderts eintauchen können. Wahrscheinlich hatten Sie den Namen Django schon so oft als Trademark im Ohr, dass Sie es schlicht vermieden, ihn tatsächlich zu hören. Auch Picasso, Chaplin oder Hendrix werden überall und in jedem Kontext so intensiv beworben, dass man von ihnen schon genug hat, bevor man sich selbst ein Bild hätten machen können. Ich wette, wir stehen kurz vor dem Ende eines kulturellen Kapitels, das vermutlich viele eine Kehrtwendung machen lässt, oder vielmehr zu EINEM Ausgangspunkt zurückführen wird (zumindest in der Kunst). Nach so vielen Konzepten, Logos oder Trends kommt vielleicht die Zeit, wo man wissen will, wie alles begonnen hat und wo die Wurzeln liegen. Django Reinhardt ist so immens wichtig für die Entwicklung des europäischen Jazz, ja des Jazz überhaupt (vergessen ist die einst jenseits des großen Teichs ausgetragene Kontroverse, ob er überhaupt ein Jazzmusiker ist). Wir sollten also jene magischen Momente in der Geschichte dieser Musik wirklich hören, basiert auf ihnen doch nahezu alles, was wir in den letzten 50 Jahre kennengelernt haben. Man kann Django nicht ewig in das kleine »Gipsy Jazz«-Fach stecken, das heißt doch überhaupt nichts. Erstens ist es nicht Zigeuner-Musik, und zweitens bewegte sich Reinhardt mit seinem Spiel in Dimensionen, die ihn schier außerirdisch erscheinen lassen (ich rede jetzt nicht über die zwei linken Finger, sondern über Musik). Sind Sie einmal in das Reich des Meisters vorgedrungen, setzen Sie Ihre Studien am besten mit den umfangreichen Complete Recordings auf Frémeaux & Associés fort. (Auch die feine Box, die von den »Jazz in Paris«-Reissues gemacht wurde, verdient eine Erwähnung). Im vorliegenden Fall bekommen Sie drei sehr gut dokumentierte CDs und ein wertvolles, dickes Booklet zum Preis von einem Album. Zögern Sie noch immer? Und warum?

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