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Various Artists

New York Noise - Dance Music From The New York Underground 1978 - 1982 - Soul Jazz Records

Text: Didi Neidhart | 05.11.2003

Langsam aber sicher kommt mir meine fast ganze und vor allem die übersehene/überhörte pubertäre Musiksozialisation auf CD wieder entgegen. Nach »In The Beginning There Was Rhythm«, »Disco Not Disco«, »Wild Dub«, »Downtown 81« nun also jener Lärm aus New York, der einmal nicht doch nur wieder seperatistische Salatschüssel im Sinne Louis Farrakhans war, sondern utopischer, weil extremst durchlässiger und sich gegenseitig transformierender Melting-Pot. Wenn auch nur für eine ganz kurze Zeit und fast ausschließlich auf die Lower East Side/Manhattan-Bohemia zwischen Film, Literatur, Theater, Malerei, Performance, Mode, Design begrenzt. Alles natürlich radikale TraditionszerbrecherInnen, DestruktivistInnen und NihilistInnen, die gleichermaßen »Tanzen erlaubt!« schrieen wie sich am Dreigestirn Warhol, Velvet Underground, Yoko Ono (die damalige New Yorker-Szene zeichnete sich durch einen überdurchschnittlichen Frauenanteil aus, der u.a. in/bei Bands wie ESG, The Bush Tetras, The Bloods manifest wurde) produktiv dekonstruierend abarbeiteten. Auch wurde das britische Post-Punk-Bastard-Spektrum aus Funk, Reggae, Disco, Latin, Electronica um Free Jazz (speziell Ornette Coleman), Minimal Music (Reich, Glass) sowie Avantgarde (Xenakis, Stockhausen) erweitert. Wobei Funk als nervöse Aufgekratztheit von/für Leute, die zum Schlafen gehen Kaffee trinken und zum Aufstehen ein Bier einnehmen eine regelrechte Transformation von P-Funk hin zu B-Funk (Burroughs-Funk) vollzog, Echo-Bläser gleichsam Miles Davis kopierten wie Soft Cell beeinflussten und über allem ein genuin-spezifisches Pop-Verständnis schwebte, bei dem Doo Wop ebenso als Grundlage von Velvet Underground gelesen wurde wie Lou Reeds »Metal Machine Music« in diesem Pop-Kontext gehört und gemeinsam mit Reeds-Doo Wop-Erinnerungen auf dem »MMM«-Nachfolger-Album »Coney Island Baby« zusammengedacht wurde. Zu hören gibt es also die Geschmacksrichtungen »No Wave« (Mars, DNA, Theoretical Girls/Glenn Branca, James Chance & The Contortions), »Punk Funk« (Bush Tetras, The Bloods, deren »Button Up« haarscharf wie der Blueprint zu Madonnas »Music« klingt, Lizzy Mercier Descloux, The Dance), »Mutant Dance Music« (Dinosaur L/Arthur Russel, Konk, Defunkt, Rammelzee Vs. K. Rob/Jean Michel Basquiat) sowie ESG, Material und Liquid Liquid. Kurz: Ein unglaublich labyrinthisches, mehrfach übereinandergebrochenes und zerspaltenes Bastard-Musiken-Gewusel, extrem kurzlebig bzw. später abgewandert (u.a. nach Electrohousen) und in Sachen Rockmusik ("The???-Bands, auch solche aus New York) einfach stillschweigend vergessen.

Text: Didi Neidhart | 05.11.2003

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